Das Märchen von den kriminellen Flüchtlingen

Polizeidirektion Hochtaunus stellt die Kriminalstatistik 2015 vor

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Einmal im Jahr stellt die Polizei ihre Ermittlungserfolge vor und berichtet, wo und wie oft Ganoven zuschlagen. Ein besonderes Augenmerk richteten die Beamten in diesem Jahr auch auf illegale Handlungen von Flüchtlingen.
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Bad Homburg – „Die meisten Flüchtlinge sind kriminell!“ Diese und ähnliche Parolen klingen aus dem Dunstkreis von Pegida, AfD-Anhängern und anderen rechten Gruppen. Ein Blick auf die Kriminalstatistik 2015 im Hochtaunus sagt jedoch etwas anderes aus. Von Oliver Haas

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Spätestens nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht arbeiten rechtsextreme Parteien und Gruppen mit Hochdruck daran, den Flüchtlingen den pauschalen Stempel „kriminell“ aufzudrücken. Bei der aktuellen Vorstellung der Kriminalitätsstatistik im Hochtaunus hat die Polizeidirektion auch die Delikte der Flüchtlinge unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Von rund 2500 in Heimen untergebrachten Flüchtlinge habe es laut dem stellvertretender Leiter Polizeidirektion Viktor Lekic im vergangenen Jahr 165 Fälle von Kriminalität gegeben. Im gesamten Hochtaunus gab es 11.263 Taten. Somit lag der Anteil der kriminellen Taten durch Flüchtlinge bei 1,46 Prozent.
Und auch die einzelnen Straftaten selbst beschränken sich eher auf kleinere Vergehen. Denn unter den 165 Fällen waren Delikte dabei, wie etwa 13 Mal Schwarzfahren oder 35 Ladendiebstähle. Auch die 36 Fälle, in denen es um Körperverletzung geht, müssten differenziert betrachtet werden. „Wer wochenlang mit hunderten anderen Menschen ohne echte Privatsphäre zusammen wohnt, der wird schnell frustriert. Und diese Frustration schlägt um in Aggression und führt zu Gewalt“, sagte Lekic. Dies könne jeder Psychologe bestätigen.

Sogar Wohnungseinbrüche sind zurück gegangen

Dabei handele es sich oftmals auch um Körperverletzung im Sinne einer Schubserei oder Ohrfeige bei der Essensausgabe. Schwere Sexualdelikte gab es hingegen überhaupt keine. Lediglich wurden acht sexuelle Beleidigungen angezeigt. Übrigens sind Flüchtlinge aus Bürgerkriegsgebieten wie Syrien und Irak überhaupt nicht in dieser Statistik vertreten – weil es keine Auffälligkiten ihrerseits gab. Eine große Dunkelziffer der Delikte sei zudem auszuschließen, da die Helfer in den Flüchtlingsheimen jeden einzelnen Fall melden würden, sagte Lekic. Von Anwerbeversuche aus Reihen der Salafisten in Unterkünften habe die Polizei ebenfalls keinerlei Kenntnisse.

Auch insgesamt gibt es über die aktuelle Kriminalstatistik im Hochtaunus fast durchweg Erfreuliches zu berichten. Die Straftaten sind um fünf Prozent zurückgegangen. Vor allem die Zahl der Wohnungseinbrüche ist um 23 Prozent gegenüber 2014 extrem gesunken. Laut Lekic ist dies auf die vermehrte Präsenz von Polizeistreifen zurückzuführen: „Wer in einer Gegend öfter mal ein Polizeiauto sieht, der bricht dort dann nicht ein.“ Wer sich für alle Zahlen rund um die Kriminalitätsentwicklung interessiert, der findet auf www.extratipp.com eine Zusammenfassung der Lage sowie einen Link zur ausführlichen Statistik der Polizeidirektion Hochtaunus mit allen Zahlen, Tabellen, Diagrammen und Fallbeispielen.

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Oliver Haas

Oliver Haas

E-Mail:oliver.haas@extratipp.com

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