Mit Nato-Draht und Gittern

Polizei sperrt EZB ab: Blockupy kritisiert Einsatz

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Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) ist zwei Tage vor ihrer Eröffnung und den angekündigten Blockupy-Protesten nach und nach abgesperrt worden. Um den spektakulären Neubau am Main wurden am Montag nach und nach Gitter aufgestellt und mit Nato-Draht gesichert.

Am Abend sollte die Sicherheitszone fertig sein. Bis auf einige Farbschmierereien in der Stadt und eine friedliche Mahnwache vor dem EZB-Eingang habe es noch keine Protestaktionen gegeben, sagte eine Polizeisprecherin. Fahrgäste müssen von Montagabend an auf U- und S-Bahnen umsteigen, weil Busse, Straßenbahnen und Autos die Zone dann nicht mehr passieren können. Zu den Protesten am Mittwoch werden mindestens 10.000 Teilnehmer erwartet.

Blockupy-Vertreter kritisierten den Polizeieinsatz als "absurdes Bürgerkriegsszenario" und "Vorbereitung eines Ausnahmezustands". "Die Einsatzplanung der Polizei zeigt überdeutlich, dass das Gerede von Dialog und Deeskalation nur eine PR-Maßnahme der schwarz-grünen Landesregierung ist", kritisierte Frederic Wester von dem Bündnis. "Ab Mittwoch ist es mit der Friedhofsruhe in diesem Land vorbei. Es wird deutlich werden, dass nicht alle Leute hinter der Politik dieser Bundesregierung stehen", betonte Wester. "Ob es am Mittwoch eskaliert oder nicht, hängt wesentlich vom Verhalten der Polizei ab." Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) mahnte zur Besonnenheit. "EZB und gewaltfreie Kapitalismuskritik - beides hat seinen Platz in Deutschlands Demokratiehauptstadt."

Blockupy-Sprecher Roland Süß, kritisierte: "Die Ankündigung der EZB, griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheiten zu akzeptieren, verdeutlicht, dass sie weiterhin nicht davor zurückschreckt, gewählte Regierungen zu erpressen."

Tatsächlich akzeptiert die EZB seit dem 11. Februar griechische Staatsanleihen nicht mehr als Pfand für Geld der Zentralbank. Die Notenbank kassierte eine Sonderregelung, die es griechischen Banken bis dahin erlaubt hatte, Hellas-Bonds zu hinterlegen - obwohl diese von Ratingagenturen schon lange als Ramsch eingestuft werden und deshalb eigentlich nicht als Sicherheit verwendet werden dürften.

Grund für die Ausnahme war, dass Athen ein EU-Sanierungsprogramm mit Reformauflagen durchlief. Nachdem die neue griechische Regierung die Umsetzung der Vereinbarungen infrage stellte, beendeten die Währungshüter diese Ausnahme. "Griechenland hat die Bedingungen nicht mehr erfüllt. Wir hatten keine Wahl", sagte EZB-Präsident Mario Draghi. Trotzdem bekommen griechische Banken weiter Zentralbankgeld: In Form von ELA-Notkrediten stehen ihnen derzeit maximal 69,4 Milliarden Euro zur Verfügung.

Demonstranten und Polizei rechnen am Mittwoch mit mindestens 10.000 Teilnehmern aus dem In- und Ausland. Blockupy plant eine Kundgebung um 14 Uhr auf dem Römerberg und anschließend (17 Uhr) eine Demonstration zum Opernplatz. Am frühen Morgen sollen zudem die Eingänge der EZB blockiert werden. "Wir sind besonnen, lassen uns aber nicht von der Polizei abhalten", sagte Eberle von Blockupy. Die Frankfurter SPD rief unterdessen zu friedlichen Protesten auf, "damit der inhaltliche Diskurs im Vordergrund bleibt".

dpa

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