Plötzlich nackt! Die Lust, sich zu zeigen

Schockmoment für jede Frau: Ein Exhibitionist entblößt sich und zeigt sein Geschlechtsteil.

Region Rhein-Main – Sie lassen die Hosen fallen und erfreuen sich am Schock des Gegenübers: Exhibitionisten. In der Region zeigen sich immer mehr Menschen nackt. Sexualtherapeut Jochen Cunz erklärt, wie man sich als Opfer verhalten sollte und dass viele eine exhibitionistische Seite haben. Von Julia Renner

Taunus

24 Strafanzeigen wegen Exhibitionismus wurden im vergangenen Jahr bei der Polizei im Hochtaunus registriert und damit neun mehr als im Jahr 2010: Ein Plus von 60 Prozent. In den Jahren zuvor lag die Zahl niemals höher.

Im benachbarten Main-Taunus-Kreis wurden 2011 15 Exhibitionisten angezeigt, 2010 waren es 17. Ein besonderer Fall ist Polizeisprecher Andreas Beese aus dem vergangenen Jahr in Erinnerung geblieben: Damals zeigte sich ein Exhibitionist in Kriftel einer Joggerin. Sie machte zwei Radfahrer auf den Nackten aufmerksam, die ihn verfolgten, schließlich auch schnappten und der Polizei übergaben.

Frankfurt

Auch in Frankfurt gibt es scheinbar immer mehr Exhibitionisten. Im vergangenen Jahr wurden 88 Fälle angezeigt, im Jahr 2010 waren es noch 71 gewesen.

Offenbach

Sexualtherapeut Jochen Cunz.

Im Jahr 2011 gab es im Kreis Offenbach 21 Anzeigen wegen Exhibitionismus, 2010 waren es 16. Kurios: In der Stadt Offenbach waren es im vergangenen Jahr nur fünf Anzeigen wegen dieses Delikts. Im Jahr zuvor waren es noch 13 gewesen. Allerdings: „Die Dunkelziffer ist sicher hoch, denn nicht jeder Fall wird zur Anzeige gebracht“, sagt Ingbert Zacharias von der Offenbacher Polizei.

Warum sich manche Menschen gern nackt in der Öffentlichkeit zeigen, lässt sich nicht erklären, sagt der Bad Homburger Sexualtherapeut Jochen Cunz. „Es gibt unzählige Phantasien“, sagt er. Die Abweichungen von der Norm seien so vielfältig wie das Leben selbst. Man könne also weder erklären, warum mancher lange Haare erregend findet und ein anderer, sich überraschend nackt zu zeigen.

Dass Exhibitionisten manche ihrer Opfer verunsichern oder gar ängstigen, sei von der Mehrzahl der Täter sicher nicht gewollt, sagt der Therapeut. „Einige erfreuen sich an der Angst, die Mehrzahl aber eher am Erstaunen.“ Gefährlich sind sie also nicht, meint Cunz. Dass ein Exhibitionist einen Prozess durchmache und sich bis hin zum Frauenmörder entwickle, komme nicht vor: „Sie bleiben auf einem Level.“ Eine exhibitionistische Seite habe fast jeder Mensch, ist Jochen Cunz sicher. „Es ist nur nicht so ausgeprägt und wird nicht ausgelebt.“

Therapierbar ist die sexuelle Abweichung übrigens nicht. „Man kann aber in einer Therapie lernen, damit umzugehen und Alternativen aufzeigen“, sagt der Bad Homburger Therapeut.

Wer Opfer eines Exhibitionisten wird, sollte erstmal eins tun: Den Mann ignorieren. Das rät Main-Taunus-Polizeisprecher Andreas Beese ebenso wie Therapeut Cunz. „Man sollte nicht schreien oder lachen, sondern einfach weggehen,“ rät Cunz. Allerdings, sagt Beese, sollte man sich trotzdem Größe und Aussehen des Mannes merken, um ihn später der Polizei zu beschreiben.

Eine offizielle Empfehlung der Polizei, wie man sich als Opfer in einer solchen Situation verhalten sollte, gibt es nicht, heißt es bei der Polizeilichen Beratungsstelle in Frankfurt. Schließlich sei Exhibitionismus nur ein Randthema. Immer gut sei es aber, so der Rat der Berater, Öffentlichkeit zu erzeugen. „Man sollte andere auf die Situation aufmerksam machen.“

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