Plastikbaum und heiße Schokolade

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In Bolivien tanzen Kinder um einen geschmückten Baum und betreuen ein Jesus-Kind in der Krippe.

Friedrichsdorf – Viele Geschenke, viele Plätzchen: Die meisten Kinder in der Region können die Weihnachtszeit in vollen Zügen genießen. Auch in Ländern wie Peru, Malawi und Bolivien wird gefeiert, allerdings mit Plastikbaum und ohne Geschenke. Von Julia Renner

„Wenn überhaupt, dann wird draußen gefeiert“, sagt Iris Manner, Sprecherin der Kinderhilfsorganisation World Vision, deren Deutschlandsitz in Friedrichsdorf ist. Denn auf der Südhalbkugel ist derzeit Sommer. Einige Rituale ähneln auch unseren, sagt Manner. So werden Bäume aufgestellt – wenn auch oft nur aus Plastik – und geschmückt. Auf Geschenke müssen die meisten Kinder aber verzichten.

In Peru feiert World-Vision-Mitarbeiterin Demetria Montes mit den Kindern.

In der Region Huancavelica inPeruarbeitet Demetria Montes für die Organisation. „Hier sind ausländische Einflüsse noch nicht so stark“, berichtet sie. Da die Familien auf über 3000 Metern Höhe kaum etwas anbauen können und sehr wenig verdienen, ist ein Ball für einen Jungen und eine Puppe für ein Mädchen schon ein besonderes Geschenk. „Die Krippe ist wichtig und wird oft noch nach jahrhundertealten Mustern in Handarbeit gemacht“, sagt Montes. Nach dem Kirchgang wird um Mitternacht das Christkind hineingelegt. Danach wird trotz der heißen Temperaturen zum Weihnachtskuchen heiße Schokolade getrunken.

In Malawi wird getanzt

Bei der siebenjährigen Ketrine aus Malawi ruht zwar die Feldarbeit an Weihnachten, aber das Mädchen kehrt besonders sorgfältig in und vor der Lehmhütte, in dem es mit seinen Eltern wohnt. Am Weihnachtsmorgen kommen alle aus dem Dorf in einer kleinen Kirche zusammen, die mit Blumen und Palmblättern geschmückt ist. Lieder werden in Ketrines Heimatsprache Chichewa gesungen. Weihnachtsbäume, Plätzchen oder Kerzen gibt es nicht, aber die Familien treffen sich zum Essen und Tanzen, manchmal auch zu einem Theaterstück über die Geburt Jesu. Wenn es sich die Familie leisten kann, bekommen Ketrine und die anderen Kinder neue Kleidung und Schuhe.

Bolivien: Bei den Christen wird traditionell Weihnachten gefeiert, oft aber draußen. Helen, eines der Patenkinder von World Vision, die im Osten von Bolivien wohnt, schmückt bei den Großeltern im Garten den Weihnachtsbaum. Der wird aus vielen Pflanzen zusammengesteckt. Ob es diesmal Geschenke geben wird, weiß sie noch nicht. Ihre Mutter ist alleinerziehend und hat keinen Job. Helen hilft der Großmutter Brot zu backen und es in der Kleinstadt Camiri zu verkaufen. Zu einem typischen Weihnachtsessen gehört „Picana de Navidad“, ein Hähnchen mit Kartoffeln und Gemüse.

Weitere Infos, auch zu Patenschaften, gibt es im Internet auf www.worldvision.de.

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