Experte gibt Tipps, wie man Zimmerplanzen gut behandelt

Pflanzenexperte Thomas Ressel verrät, wie man den grünen Daumen bekommt

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Thomas Ressel von der Tropica Raritätengärtnerei in Kriftel weiß, was man bei Zimmerpflanzen, wie hier bei einer Orchidee, alles beachten muss.

Hilfe! Die Zimmerpflanzen gehen immer kaputt. Zu wenig, zu viel Wasser? Wo stelle ich sie hin? Der EXTRA TIPP fragte den Experten, wie man den grünen Daumen bekommt. Von Oliver Haas

Wie gieße ich denn nun richtig?

Praktisch: Ein Feuchtigkeitsmesser für Pflanzen.

„Es wird nicht gegossen, nur weil Mittwoch ist“, scherzt Gartenbautechniker Thomas Ressel aus Kriftel. Regelmäßige Kontrolle sei wichtig, aber nicht immer die gleiche Wassermasse. „Die Pflanze braucht unterschiedlich viel Wasser. Im Sommer, wenn die Sonne scheint, natürlich mehr als im Winter.“ Orchideen etwa sollten überhaupt nicht auf herkömmliche Weise gegossen werden, da das Substrat viel zu löchrig ist, das Wasser durchsaust und 90 Prozent der Pflanze nichts davon hat. „Da gibt es den einfachen Trick, dass man die Pflanze aus dem Übertopf rausnimmt und zweimal hintereinander für zwei bis drei Sekunden in ein Wasserbad im Eimer eintaucht.“ Praktischerweise haben Orchideen oft durchsichtige Übertöpfe, so dass man die Feuchtigkeit gut sehen könne. „Und wenn sie noch feucht ist, dann wartet man eben noch eine Woche.“Für viele andere Pflanzen empfiehlt er einen 25 Zentimeter langen Feuchtigkeitsmesser. „Oftmals wird nur an der Oberfläche nachgeschaut. Nur weil es da trocken ist, heißt das nicht, dass es im gesamten Pflanzenballen so aussieht.“
Grundsätzlich sollte man wenn möglich mit Regenwasser gießen, da der Kochsalzgehalt im Leitungswasser für Pflanzen oft zu hoch sei.

Wo ist der richtige Platz?

Damit Pflanzen genügend Licht abbekommen, sei ein Lichtmessgerät sehr hilfreich. Damit wird die Luxeinheit, also die Beleuchtungsstärke gemessen. „Bei Schattengewächsen sollte es zwischen zehn Uhr morgens und 14 Uhr mindestens 300 Lux sein.“ Orchideenblüten bräuchten 600 bis 800 als Existenzminimum. „Allerdings mögen sie nicht die direkte Sonne, daher ist im Sommer statt Südfenster ein Standort im West- oder Ostfenster besser geeignet.“

Wann soll man umtopfen?

„Orchideen werden immer nach dem Blühen umgetopft. Bei allen anderen Pflanzen von März bis August.“ Bloß nicht im Winter, warnt Ressel. Denn dann seien Pflanzen in der Ruhephase. Beim Umtopfen wird der Pflanze neue Erde zur Verfügung gestellt und sie bekomme das Signal, dass sie wieder wachsen soll. Aber die Pflanze richte sich immer danach, was am wenigsten da ist. „In diesem Fall ist es das Licht. Da kann man umtopfen soviel man will, wenn es nicht heller wird, dann bringt es nichts.“

Wie dünge ich am besten?

„Mit einem Grünpflanzendünger, der stickstoffhaltig ist und einem Blütendünger, der Phosphor-Kali enthält, kommt man bestens aus.“ Wenige Spezialkulturen hätten ihren eigenen Dünger und man müsse aufpassen, dass man nicht überdosiert. „Da Dünger sehr unterschiedlich konzentriert sind, sollte man immer gut die Dosieranleitung auf der Verpackung lesen.“

Wie bekämpfe ich Schädlinge?

„Blattläuse sind oben an der Blüte gut zu erkennen. Aber weiße Schmierläuse sitzen zwischen den Blättern und verkleben diese“. Deshalb sollten Pflanzenbesitzer öfter mal an der Klebestelle senkrecht nach oben gucken. Vor allem hartlaubige Pflanzen wie Oleander seien dafür anfällig. Nicht mit bloßem Augen zu erkennen seien Spinnenmilben. „Daher kann man auch mal zur Lupe greifen“, rät Ressel.

Es gebe genügend biologische und chemische Mittel gegen Schädlinge. Allerdings sei frühes Erkennen wichtig und dass die Behandlung drei Mal innerhalb drei Wochen erfolgt. „Sonst sterben zwar die Läuse, aber die Eier werden nicht zerstört. Nach dem Schlüpfen fängt das Ganze wieder von vorne an. Am besten sollte man die Pflanzen abends ins Bad einschließen. „Da kann man schön rumsauen. Wenn sie am Morgen trocken sind, dann stellt man sie wieder an den Platz.“

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