Gespräche zwischen Jung und Alt

Patenschaftsmodell für Projekt ausgezeichnet

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Miteinander im Gespräch: Schülerin Evelyn (von links), Patin Sigrun Hast-Leier, Schüler Dorian, Jörg Meyer und Pate Steffen Bickel.

Region Rhein-Main – Der Dialog zwischen Jung und Alt ist oft nicht ganz leicht. Beim Patenschaftsmodell Offenbach klappt das jedoch so gut, dass es mit dem Citoyenne-Preis ausgezeichnet wurde. Von Fabienne Seibel 

„Wir sind mächtig stolz, dass unsere gemeinsame Arbeit mit den Jugendlichen gewürdigt wird“, sagt Jörg Meyer. Der Leiter des seit zehn Jahren bestehenden Patenschaftmodells in Offenbach hat allen Grund zur Freude: Ende März wurde die Initiative von der Stiftung Citoyen mit dem Citoyenne-Preis ausgezeichnet (der EXTRA TIPP begleitete den Preis als Medienpartner). Bei dem diesjährigen Preis wurden ehrenamtliche Initiativen, die den Dialog zwischen Jung und Alt fördern, für ihr Engagement ausgezeichnet. Das Offenbacher Patenschaftsmodell überzeugte mit der Bandbreite des Angebots und dessen Nachhaltigkeit. Das Preisgeld von 5000 Euro, von dem ein Teil aus der Ippen-Stiftung stammt, kann die Initiative gut gebrauchen: „Für die Jugendlichen ist es wichtig, dass wir unsere Arbeit auch in Zukunft fortführen können“, sagt Meyer.

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Derzeit gibt es bei dem Projekt jeweils 53 Paten und Schüler. Meyer: „Unser Angebot richtet sich an Hauptschüler der achten und neunten Klasse. Die Paten helfen ihnen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, unterstützen sie im schulischen Bereich und geben auch eine Art Lebenshilfe.“ Regelmäßig treffen sich die Schüler mit ihren Paten, um ihre berufliche und schulische Zukunft zu planen oder auch um über ihre Probleme zu sprechen“, sagt Meyer: „Es entsteht ein familiärer Zusammenhalt und viel Nähe. Das tut allen Seiten gut.“

Gespräche mit der älteren Generation

Der 14-jährige Dorian ist seit zwei Monaten dabei. Der Schüler träumt von einer Beamtenlaufbahn und sucht das Gespräch zur älteren Generation. Mit seinem Paten Steffen Bickel spricht er über Wünsche, Träume und holt sich Tipps. Bickel betreut mit Dorian schon seinen 28. Schüler und sagt: „Die Aufgabe der Erwachsenen ist es, den Schülern Mut zu machen und ihnen mit unserer bisherigen Lebenserfahrung zur Seite zu stehen.“ Der 75-Jährige war der erste Pate des Offenbacher Projekts. „Ich habe gemerkt, dass Jugendliche heutzutage ähnliche Probleme haben, wie ich in meiner Jugend. Sie brauchen Schubser in die richtige Richtung, und wir kitzeln ihr Potenzial heraus.“

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Auch die 15-jährige Evelyn bekommt Unterstützung von ihrer Patin Sigrun Hast-Leier. Die Schülerin will Polizistin werden, braucht dafür mindestens den Realschulabschluss. Hast-Leier findet es spannend, so eng mit Jugendlichen zusammen zu arbeiten. Die Lehrerin in Ruhestand sagt: „Es ist aufregend, gemeinsam herauszufinden, wo die Leidenschaften und Talente der Jugendlichen liegen. Wir wollen ihnen als erwachsene Person Sicherheit geben und ihnen bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung helfen.“ Doch nicht nur die Jugendlichen können etwas aus der Patenschaft lernen. Hast Leier: „Ich habe viel im interkulturellen Bereich gelernt, weil wir oft Schüler mit Migrationshintergrund betreuen. Außerdem bleiben wir auf dem neuesten Stand was Trends anbelangt. So hat man einen besseren Draht zur jüngeren Generation.“

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