Panzerhaubitzen schafften Lebensraum für seltene Arten

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Bei ihren Manövern haben die Panzerhaubitzen der amerikanischen Streitkräfte ganz nebenbei den Sandboden ihres Truppenübungsplatzes umgepflügt.

Babenhausen – Sie wurden gebaut, um Kriege zu gewinnen. Um zu zerstören und zu töten. Dass Panzerfahrzeuge allerdings auch dazu im Stande sind, neuen Lebensraum für seltene Pflanzen und Amphibien zu schaffen, ist hingegen weniger bekannt. Von Dirk Beutel

Öde sieht es aus. Wie eine Steppe gleicht das Gebiet „In den Rödern“. Kein Wunder, schließlich nutzte noch bis vor ein paar Jahren die U.S. Army das 84 Hektar große Gebiet, südlich der Babenhäuser Kaserne gelegen, als Truppenübungsplatz.

Vornehmlich Panzerhaubitzen und Artilleriefahrzeuge pflügten mit ihren riesigen Ketten seit 1951 dort die Erde um. Doch wer denkt, dass an diesen Stellen nun überall kein Gras mehr wächst, sieht sich getäuscht. „An den Orten, wo die Panzerfahrzeuge ständig entlanggefahren sind, ist tatsächlich nichts mehr außer Sand übrig geblieben“, erklärt der Diplom-Biologe Karsten Heinrich von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Aber: „Dort, wo die Panzer nur ab und zu im Einsatz waren, sind Bodenverwundungen entstanden.“ Fahrspuren, Mulden und Pfützen, die die tonnenschweren Kolosse zum Beispiel bei Wendemanövern hinterließen, entwickelten sich zu idealen Lebensräumen für seltene Pflanzen- und Amphibienarten. Was so paradox klingt, ist ein echter Gewinn für den Artenschutz.

Deutsche Panzer als Landschaftspfleger

Heute gleicht das Areal einer Steppe. Trotzdem haben sich dort seltene Pflanzen- und Tierarten angesiedelt.

Jetzt herrschen „In den Rödern“ beste Bedingungen für die Kreuzkröte, die Ödlandschrecke und die Kreiselwespe. Zwischen kleinen Dünen mit offenen Grasflächen, sind trockene Sandheiden mit Heide und Ginster entstanden, genauso wie kleine Tümpel. Seit 2008 ist das Gelände „In den Rödern“ als Flora-Fauna-Habitat- (FFH) sowie Vogelschutzgebiet, als so genanntes Natura-2000-Gebiet ausgewiesen.

Ein vergleichbares Areal zu dem Gebiet in Babenhausen existiert auch in Hanau, in der Nähe von Großauheim. Auch hier handelt es sich um einen ehemaligen Truppenübungsplatz der US-Streitkräfte. Das Gebiet, das als Campo Pond bezeichnet wird, ist seit 2004 ein ausgewiesenes FFH-Gebiet mit einer Größe von etwa 72 Hektar. Auch dort waren die Kettenfahrzeuge der Amerikaner für die Entwicklung der Landschaft verantwortlich.

Und die Bundeswehr? Nach deren Angaben gibt es in Deutschland über 20 Truppenübungsplätze. Auf fast der Hälfte dieser Flächen finden sich heute Lebensräume, die zum Verbundnetz Natura 2000 gehören. Damit diese öden Lebensräume für seltene Arten aber erhalten bleiben, dienen deutsche Panzer als Landschaftspfleger. Indem sie Buschwerk und Bäumchen niederwalzen, verhindern sie das Zuwachsen der dort typischen europäischen Trockenheide. In Babenhausen allerdings sollen keine Panzer, sondern Przewalski-Pferde den Lebensraum erhalten.

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