Er päppelt erschöpfte Instrumente wieder auf

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Norbert Zabolitzki

Seligenstadt – Ein aufgerissenes Polster an der Flöte, eine Beule im Saxophon, oder eine abgebrochenene Klappe an der Klarinette. Musiker, die ihr Instrument lieben und kein Ersatz kaufen wollen, bleibt bei diesen Leiden nur noch der Gang zu Norbert Zabolitzki. Der Instrumentendoktor belebt in Seligenstadt angeschlagene Klangkörper wieder. Von Andreas Einbock

Mit Leuchtstab und Metallstift entdeckt Norbert Zabolitzki die Klappe am Saxophon, die nicht richtig schließt.

Zurückgesetzt von der Straße aber dennoch nicht zu übersehen, ist Norbert Zabolitzkis Laden in Seligenstadt. Vielmehr ist es ein ganzes Haus mit zwei Schaufenstern, einer kleinen Verkaufsfläche, einem Keller zum Proben und einer Werkstatt – Zabos Werkstatt. Mit seinem Spitzennamen ist der 46-Jährige die erste Adresse für Musiker, deren Instrument beschädigt ist. „Das ist so wie bei einem Arzt, dem man seinen Körper anvertraut. Für viele bin ich der Einzige, den sie in ihre Instrumente blasen lassen“, beschreibt der Holzblasinstrumentenmachermeister das enge Vertrauensverhältnis zu seinen Kunden. Manfred Lindner ist einer davon. Der 72-Jährige ist extra aus Gründau-Lieblos angereist und übergibt Zabolitzki sein Sopran-Saxophon. „Es spricht nicht mehr so richtig an. Ich spiele gern leicht und soft und in tieferen Lagen. Das klappt jetzt nicht mehr richtig“, sagt der ehemalige Berufsmusiker, der 25 Jahre in der Bigband des hessischen Rundfunks gespielt hat. „Die linke Hand deckt nicht vollständig“, lautet zu Lindners Erstaunen die kurze Diagnose des Instrumentendoktors, der als Therapie vorschlägt: „Da müssen drei Polster ausgetauscht werden.“ Gemeinsam betreten beide die kleine Werkstatt, in der Zabolitzki mit einem Leuchtstab seinem Kunden die fehlerhaften Stellen zeigt. „Ich achte sehr darauf, dass ich die Reparatur mit den Kunden bespreche. Oft merken sie gar nicht, wo der eigentliche Fehler liegt“, beschreibt er seine Geschäftsphilosophie, zu der auch die Beratung und der Verkauf der passenden Instrumente zählt.

In ganz Deutschland als Instrumenten-Doktor bekannt

Den Komplett-Service schätzen zahlreiche Kunden aus ganz Deutschland. „Von Profis bis Amateuren, von Bläserklassen, Kapellen und Eltern, die für ihre Kinder, die Klarinette reparieren lassen wollen, habe ich Kunden von überall“, sagt Zabolitzki. Außer ihm gibt es nur noch zwei weitere Instrumenten-Doktoren im Rhein-Main-Gebiet. Über 1000 Instrumente behandelt er im Jahr, jedes davon bekommt eine eigene Nummer, um spätere Reparaturen nachzuvollziehen. Selbst per Post landen viele Klangkörper auf seiner Werkbank. Bevor er loslegt, ist sein Gespür und vor allem sein Gehör als Musiker gefragt. „Wenn ich äußerlich keinen Schaden entdecke, spiele ich kurz und fühle mich in das Problem rein“, beschreibt der Instrumentendoktor seine „Sprechstunde“. Oft sind Sturzschäden zu reparieren oder eine Generalüberholung notwendig. Dann ist Zabolitzki als Feinmechaniker, Dreher, Drechsler, Werkzeugmacher oder Schweißer gefragt. „In den meisten Fällen beule ich Dellen aus oder setze Federn, Polster oder Korken neu. Manchmal justiere oder löte ich Klappen. Dafür brauche ich viele Handgriffe und viel Gefühl, um ein Instrument zum Decken und damit zum Spielen zu bringen.

Zabo „bearbeitet“ Instrumente auch als Musiker.

Musik war ihm schon immer wichtig

Musik stand für den Seligenstädter schon früh im Mittelpunkt. Sein Vater spielte Mandoline, in der Familie wurde viel gesungen. Mit acht Jahren spielt er Klarinette, mit elf Jahren greift er erstmals zum Saxophone und zur Flöte. Obwohl alles drei scheinbar nur aus Messing, Silber oder anderen Metallen besteht, zählen diese Instumente neben Oboe und Fagott zu den Holzblasinstrumenten und damit zu Zabolitzkis täglicher Arbeit. „Entscheidend ist nicht das Material des größeren Klangkörpers sondern die Art des Anblasens, bei der, bei diesen Instrumenten, immer Holz das entscheidende Material ist.

Der Weg zum Handwerk war in der Familie vorgezeichnet. Während der Vater als Tapeziermeister und Raumausstatter arbeitete, waren einige Onkels Sattler und Schmiedemeister. „Erst spät habe ich erfahren, dass ich mich zu meinem heutigen Beruf ausbilden lassen konnte.“ 1988 legt er dann seine Meisterprüfung in München ab.

Weitere Infos finden Sie auf der Internetseite von Norbert Zabolitzki

Doch Musik beschäftigt Zabolitzki nicht nur an der Werkbank. In der Stadtkapelle Seligenstadt, in der er erster Vorsitzender und Chef von fünf Orchestern ist, spielt er Klarinette. Peppiger tritt er als Saxophonist in der Bigband East17, bei Tom Jet and The Starlighters, dem M-E-K und der Formation Saxpower in Aktion. „Ich bin da fast jedes Wochenende bei Auftritten unterwegs.“ Trotz des vollen Terminkalenders bleibt ihm noch Zeit für seine Familie, die ihm das Wichtigste ist.

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