Mit dem Baseball-Schläger gegen Kontrolleure

Schwarzangler am Main kennen keine Skrupel

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Mit einer billigen Rute holt ein osteuropäischer Angler Fische aus dem Main.

Region Rhein-Main - Wenn es dämmrig wird am Main, kommen die Schwarzangler. Mit Billig-Ruten vom Flohmarkt fangen vor allem Russen, Rumänen und Bulgaren ungestört Unmengen Fisch. Werden sie vom Aufseher erwischt, reagieren sie aggressiv und holen schonmal den Baseball-Schläger raus. Von Christian Reinartz

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„Es werden immer mehr“, sagt Wolfang Burck. Der Mann ist Vorsitzender der Frankfurter Fischer- und Schifferzunft, ist quasi auf dem Main groß geworden und arbeitet als einer von drei Kontrolleuren am hiesigen Flussufer. „So schlimm war es noch nie.“

Doch Kontrollen bringen nicht wirklich etwas. Da ist er sich sicher. „Der Ton ist extrem aggressiv geworden“, sagt Burck. Frage man nach der Angelerlaubnis, würden die Schwarzangler schnell handgreiflich. „Ein Kollege von mir wurde sogar schon einmal mit einem Baseball-Schläger vertrieben“, sagt Burck. Ihm zufolge handelt es sich bei den Fischer-Wilderern hauptsächlich um Russen, Rumänen und Bulgaren. „Die kommen hier her und scheren sich nicht um unsere Angelvorschriften.“

Fische leiden unnötig

Doch die hätten einen wichtigen Sinn, stellt Burck klar. Wer einen Angelschein habe, wisse ganz genau, wie er Fische töten kann, ohne sie unnötig leiden zu lassen. „Die Osteuropäer lassen die Fische einfach an Land ersticken“, sagt Burck. „Da leiden die Tiere fürchterlich.“ Das krasseste Erlebnis, das Burck hatte: „Ein paar Schwarzangler hatten einen Einkaufswagen dabei und haben die lebenden Fische einfach reingeworfen, bis der Wagen voll war.“ Die Tiere seien in dem Gitterkorb elendig krepiert.

Ein Besuch des Mainufers in Höhe des Fechenheimer Industriegebiets bestätigt Burcks Einschätzung. Dort steht Drago. Der Bulgare ist 53, trägt eine abgewetzte schwarze Lederjacke und ist Gelegenheitsarbeiter, sagt er. „Ich habe nie Geld und die Fische kosten nix“, bringt er es auf den Punkt. Von Brutalität gegenüber den Aufsehern will er nichts wissen. „Wir rennen alle weg, wenn da einer vorbeikommt, den wir nicht kennen“, sagt er. Später gibt er aber doch zu, dass es auch „Kollegen“ gebe, die sich „mit den Kontrolleuren anlegen“.

Fischer- und Schifferzunft ist rat- und machtlos

Dass das Wildangeln verboten ist, weiß Drago. Aber es kümmert ihn nicht. „Ich mache das schon lange und habe noch nie irgendwas zahlen müssen.“ Michael Jenisch vom Frankfurter Ordnungsamt erklärt den Ablauf: „Wir sind zwar dafür zuständig, aber wenn wir einen Fisch-Wilderer erwischen, geben wir das an die Justiz weiter, da es sich um ein Strafverfahren handelt.“ Die Staatsanwaltschaft wiederum ermittelt nur auf Antragstellung der Geschädigten. Und die ist die Fischer- und Schifferzunft.

Vorsitzender Wolfgang Burck stellt zwar immer wieder Anträge, ist aber mittlerweile frustriert: „Ich kann mich nicht erinnern, dass da jemals auch nur irgendetwas herausgekommen wäre. Geschweige denn eine Entschädigung.“ Stattdessen würden die Verfahren meistens wegen Geringfügigkeit eingestellt. „Dabei setzen wir jedes Jahr für bis zu 15.000 Euro Fische in den Main.“

Archivbilder

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