Er operiert mit Schlauch und Schere

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Klaus Kugler mit einer kranken Orchidee und dem Gartenschlauch.

Frankfurt – Mitten in der Hektik Frankfurts lädt der Bethmann-Park zum Entspannen ein. Viele Pflanzenliebhaber nutzen die grüne Oase aber nicht nur zum Luftholen sondern für einen Gang zum Pflanzendoktor. Dreimal in der Woche bietet Klaus Kugler eine Sprechstunde und stattet Patienten auch Hausbesuche ab. Von Andreas Einbock

Mit der Gartenschere in der Hand schreitet Klaus Kugler durch seine Praxis. Die mist knapp drei Hektar und zählt zu Frankfurts schönsten Ort. Neben den Grünanlagen im Freigelände sowie dem Kalt- und Warmraum im Gewächshaus ist der gelernte Blumen- und Ziergartenbauer auch für die Pflanzenberatung des Grünflächenamts zuständig. „Die Leute kommen mit ihren Zimmer- und Gartenpflanzen, die oft ziemlich verkümmert aussehen“, sagt Kugler. Das trifft auch auf das Einblatt von Aloisia Rößer zu. Die Bankangstellte und Stammpatientin holt den ersten Patienten der Sprechstunde aus ihrer Plastiktüte und fragt: „Ist der altersschwach, muss ich ihn abschneiden oder soll ich ihn gleich wegschmeißen?“ Kugler schaut sich die verkümmerte Pflanze an und tastet mit den Fingern in der Blumenerde. Seine Diagnose: „Der ist eindeutig zu trocken.“ Sein Rat: „Zweimal die Woche müssen sie schon gießen.“

Pflanzenretter sitzt im Bethmann-Park

Klaus Kugler gibt Aloisia Rößer Tipps, um den „Patienten wieder aufzupeppeln.

Meist komme der andere Extremfall vor. „Die Leute gießen zu viel, weil sie mit dem landläufigen Fingersystem arbeiten“, sagt Kugler und ergänzt: „Sie stecken den Finger in die obere Erdschicht und meinen, gießen zu müssen, weil die Schicht trocken ist.“ Dabei sei der Wurzelballen meist noch nass genug. Oft seien auch Läuse das Problem. „Dann verweise ich an den Fachhandel und gebe den Tipp, auf Mittel auf biologischer Basis statt die chemische Keule zu kaufen.“

Bis zu 20 Blumenfreude suchen jede Woche seinen Sprechstunde auf, die er montags, mittwochs und freitags zwischen zehn und zwölf Uhr anbietet. Neben vielen älteren kommen verstärkt auch jüngere Leute, die sich einen Garten zugelegt oder nach einem Umzug einen Balkon haben. „Gartenarbeit ist keine Frauenarbeit mehr. Vor allem die Männer fragen viel nach und wollen es genau wissen“, räumt Kugler mit einem verbreiteten Vorurteil auf.

Nicht zu viel wässern!

Außerhalb der Sprechzeit kämpft der Stauden- und Orchideenliebhaber gegen Wildkräuter „Unkraut gibt es für einen richtigen Gärtner nicht.

Wasser fürs Warmhaus: Klaus Kugler gibt seinen Pflanzen ordentlich Wasser mit dem Schlauch.


Nur Gewächse, die da nicht hingehören. Aber ohne die wäre ich ja auch arbeitslos“, so Kugler, der mit fünf weiteren Mitarbeitern den Bethmann-Park pflegt. Schon seit 18 Jahren praktiziert der gebürtige Saarländer zwischen Friedberger Landstraße und Bergerstraße. Einsteigern empfiehlt Kugler ein Einblatt oder eine Yuca-Palme.

Tipps vom Pflanzendoktor:

- Hände weg vom Fingersystem: Trotz mit Finger erfühlter, trockener Erdoberschicht ist der Wurzelballen oft noch nass.

- Nehmen Sie hochwertige Blumenerde statt Ton-Granulate – Billigsorten für 1,50 Euro je zehn Liter enthalten nur viel Torf, der keine Nährstoffe liefert

- Richtig Düngen: Von April bis Oktober alle 14 Tage Flüssigdünger ins Gießwasser geben.

- Sommer: Reichlich, am besten morgens und abens gießen – vor allem Kunststoffkübel erhitzen sich stark

- Winter: Bei Frost nicht gießen – Die Leitbahnen der Wurzeln können durch das gefrierende Wasser platzen

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