Ohne Gebet geht die Nadine nie ins Bett

Trotzdem sind sie ganz normale Jugendliche geblieben, denen man ihre Religiosität nicht ansieht. Matrosenanzug und Rüschenklei â?? bei vielen religiösen Familien etwa in den Vereinigten Staaten am Sonntagmorgen angesagt â?? bleiben im Schrank.

Stattdessen fährt Michael Jäger auf seinem Skateboard zum Jugend-Gottesdienst, der zwei bis dreimal im Monat stattfindet. Saraj Vainstain hat sich sogar als Bikini-Body im EXTRA-TIPP ablichten lassen. Prüde ist anders. Und genau das wollen die gottesfürchtigen jungen Erwachsenen um Jugendleiter Denis Wöhrle auch gar nicht sein."Jugendliche sind sehr wohl an Religion interessiert", erklärt er. Man müsse deswegen nicht automatisch bieder sein. Die Form der Jugendgottesdienste ist deshalb auch ganz anders, als sich viele vorstellen. "Wir predigen da selbst", erklärt Saraj und eine Band ist immer dabei.Auch in Sachen Ökumene sind die Jugendlichen wesentlich fortschrittlicher als ihre Eltern. Katholisch oder evangelisch? "Ist egal. Wir sind doch alle Christen", sagt Nadine. Sie kenne viele Gleichaltrige auch aus anderen Gemeinden uns Konfessionen, die ebenfalls religiös sind. "Nur man muss halt zu seinem Glauben auch in der Freizeit stehen", appelliert die 17-jährige Saraj. Für Michael ist das zu Anfang ein großes Problem gewesen. "Ich hatte mal ein T-Shirt in der Schule angezogen wo ein Spruch mit Jesus draufstand", erzählt er: "Da bin ich natürlich erstmal ausgelachte worden." Erst als ein Klassenkamerad sich neben ihn stellte und ihn verteidigte, fingen die anderen an, seinen Glauben zu akzeptieren. "Es ist halt erstmal uncool in die Kirche zu gehen." Dabei habe ihm der Glaube sehr geholfen und ihn "auf den richtigen Weg zurückgebracht." Er ist sicher: "Seit ich gläubig bin, bin ich gelassener geworden und beleidige niemanden mehr." Auch die anderen sind überzeugt, dass das Studium der Bibeltexte und die Teilnahme an den Gottesdiensten hilft, ein besserer Mensch zu werden.Doch mit verzopften Vorstellungen von Religion und zwanghaftem Gehorsam gegenüber der Schrift, wollen die fünf jungen Menschen nichts am Hut haben. "Ich versuche mich schon im Großen und Ganzen daran zu halten", erklärt Jonas Otto: "Aber ich bin kein Heiliger und ich glaube auch nicht, dass es nur darum geht irgendwelche Gebote zu befolgen." Für ihn sei Gott in der Gemeinschaft mit anderen Menschen. "Wenn mir jemand in einer schlimmen Situation hilft, bin ich der Überzeugung, dass das Gott ist. Nicht irgendein Typ da oben im Himmel, der auf uns herunterschaut." Für Nadine ist Gott realer: "Ich bete seit Jahren jeden Abend das Vater Unser und erweitere es um ein paar Sätze. Ich kann erst schlafen, wenn ich Gott alles erzählt habe."Der katholische Weihbischof Ulrich Neymeyr erklärt bestätigt, dass die Rodgauer Jung-Christen viele Gleichgesinnte haben: "Als Bischofsvikar für Jugendseelsorge begegne ich in unserem Bistum Mainz vielen jungen Menschen, für die die Religion eine wichtige Rolle spielt." Ihm sei bewusst, dass viele jugendliche die Kirchen allerdings kritisch hinterfragten. Dennoch findet er deren vorsichtige Haltung gegenüber Glauben und den Institutionen nicht schlecht: "In vielen Gesprächen mit Jugendlichen, denen ich das Sakrament der Firmung spende, mache ich die Erfahrung, dass Jugendliche zwar Kritik an der Kirche üben, sich aber auch für die Begründung der kirchlichen Positionen interessieren, die sie kritisieren."Nadine, Saraj, Michael, Jonas und Denis sind sich auf jeden Fall einig: "Wenn wir älter sind, wird sich mit uns auch die Glaubenspraxis verändert haben." Saraj: "Ich kann mir nicht vorstellen, warum unsere Generation auf einmal den Spaß an modernen Gottesdiensten verlieren soll

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