Ohne Feuerwehr-Nachwuchs gilt bald: "Wenn´s brennt, fährt keiner mehr hin!"

Von Christian Reinartzbr /Region Rhein-Main - Hagelkörner groß wie Golfbälle, die Fenster durchschlagen, Orkane die ganze Landschaften verwüsten und Keller, die mehrmals im Jahr unter Hochwasser stehen - das ist das Szenario, an das sich die Bewohner der Region gewöhnen müssen.

In den nächsten 20 Jahren werden sich immer häufiger Extrem-Wetterlagen über dem Rhein-Main-Gebiet zusammenbrauen, prophezeit Meteorologe Joachim Schorlemmer vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach.br /Die Feuerwehren und das Technische Hilfswerk in der Region sind schon jetzt immens belastet. Da immer weniger Jugendliche sich für das ehrenamtliche Engagement im Katastrophenschutz bereit erklären, scheint der Gau programmiert.br /"Wenn es dann in 20 Jahren brennt, fährt einfach keiner mehr hin", warnt Ralph Stühling, Kreisbrandinspektor des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Das klinge hart, entspreche aber der Realität. Er spricht von einem Domino-Effekt: "Es wird immer weniger ehrenamtliche Einsatzkräfte geben, die dazu immer weniger Zeit aufbringen können. Wenn dann auch noch die Einsatzzahlen steigen, bricht das ganze System zusammen."br /Der Offenbacher Feuerwehr- und Katastrophenschutz-Chef Uwe Sauer sieht das ähnlich: "Im schlimmsten Fall haben wir in einigen Jahren mehr Unwettereinsätze, aber weniger Leute." Dann könne nicht mehr jeder Einsatz zeitnah abgearbeitet werden. Stattdessen müssten dann die Einsatzkräfte immer da zur Stelle sein, wo die Gefahr am größten sei. Bei bis zu 80 einzelnen Einsätzen während eines Sturms sei das eine fast unlösbare Aufgabe, so Sauer.br /Im benachbarten Kreis Offenbach macht sich Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann ebenfalls Sorgen um den Nachwuchs: "Die Jugendfeuerwehren schrumpfen auch bei uns. Allerdings fangen wir das im Moment durch Seiteneinsteiger im Erwachsenenalter auf."br /Dennoch investiere er, ebenso wie seine Kollegen, bei der Ausrüstung in unwettertaugliches Gerät. Ackermann: "Wir haben neue Pumpen gekauft und geländegängige Fahrzeuge mit Allradantrieb, um bei Wetter-Katastrophen mobiler zu sein."br /Zwar wappnen sich die Katastrophenschützer so gut wie möglich. Doch die beste Technik nutzt nichts ohne Leute, die sie bedient. Das ist auch den drei Feuerwehr-Chefs klar. Sie setzen ihre Hoffnung in die Nachwuchsförderung. "Das funktioniert aber nur, wenn Ehrenamt auch in der Öffentlichkeit anerkannt wird", argumentiert Stühling. Viele Arbeitgeber sähen es nämlich nicht gerne, wenn ihr Angestellten während der Arbeitszeit zum Einsatz ausrückten.br /Ob die Personal-Katastrophe abgewendet werden kann, kann zur Zeit niemand sagen. Nur eines ist sicher: Es stehen in jedem Sinne stürmische Zeiten be

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