Kinderporno-Besitzer: BGH hebt Sicherungsverwahrung auf

Offenthaler Vorlese-Onkel kommt auf freien Fuß

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Matthias P. ist für den Besitz von hundertausenden Kinderporno-Dateien zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt worden

Das Landgericht Darmstadt sah in Matthias P. eine Gefahr für Kinder und ordnete für den Offenthaler Sicherungsverwahrung an. Doch der BGH hat das Urteil aufgehoben. Der Vorlese-Onkel soll 2015 auf freien Fuß kommen. Von Norman Körtge

Dreieich/Darmstadt – Der Fall des Matthias P. aus Offenthal sorgte 2011 für Schlagzeilen. Bei dem damals 48-Jährigen aus Offenthal hatten Fahnder des Landeskriminalamtes mehrere hunderttausend Kinderporno-Dateien auf seinem Computer und Festplatten entdeckt. Für Entsetzen unter Offenthaler Eltern sorgte damals vor allem der Umstand, dass Matthias P. als ehrenamtlicher Vorlese-Onkel in der Bücherei an der Grundschule tätig war.

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Das Urteil aus dem Jahr 2012

Und noch schlimmer seine Vergangenheit: Er ist ein verurteilter Kinderschänder. Seit 1979 war er wegen Kindesmissbrauchs zu mehreren Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt worden. Noch schlimmer die Zeit zwischen 1997 und 1999, in der es eine Vielzahl von sexuellen Übergriffen auf vernachlässigte Mädchen und Jungen in Ludwigsburg gab. In Stuttgart war er seinerzeit dafür zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.

Landgericht Darmstadt ordnet jeweils Sicherungsverwahrung an

Im März 2011 dann der Prozess wegen Kinderporno-Besitz vor dem Landgericht Darmstadt. Das Urteil: Vier Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung. Doch Matthias Ps. Anwalt legt beim Bundesgerichtshof (BGH) Revision gegen die Sicherungsverwahrung ein. Mit Erfolg.

Der BGH verweist zurück an das Landgericht. Im Februar 2012 dann wieder Verhandlung vor dem Landgericht Darmstadt. Ein Gutachter bescheinigt erneut ein Rückfallrisiko. Matthias P. sei eine Gefahr für Kinder, heißt es. Dementsprechend wird die Sicherungsverwahrung bestätigt.

Wahrscheinlich im Frühjahr 2015 auf freien Fuß

Erneut geht Matthias P. in Revision. Und diesmal urteilt der BGH selbst: Die Richter in Karlsruhe entscheiden, dass Matthias P. nach Verbüßung seiner Haftstrafe nicht in Sicherungsverwahrung muss. Die Begründung der Gefährlichkeitsprognose durch das Landgericht stieß beim BGH auf „durchgreifende rechtliche Bedenken“. Das heißt: Das Landgericht hat in seinem Urteil nicht ausreichend begründet, dass von Matthias P. noch eine Gefahr für Kinder ausgeht. Deshalb wird P., der noch in einem hessischen Gefängnis seine Strafe verbüßt, voraussichtlich im Frühjahr 2015 auf freien Fuß kommen.

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