Offenes Ohr und helfende Hand

+
Margret Groh im Gespräch mit Patient Richard Pollak.

Bad Soden – Jeden Morgen klopfen sie an die Zimmertüren des Bad Sodener Krankenhauses: Die Grünen Damen. Sie hören den Patienten zu, machen Besorgungen –  und sind so oft für einsame Menschen ein Lichtblick. Von Julia Renner

Ein weißer Kittel, ein Notizbuch und ein kleiner Rollwagen gehören zur Ausrüstung von Margret Groh. Seit 31 Jahren zieht sie einmal pro Woche damit durch die Gänge des Krankenhauses in Bad Soden. „Unsere Hauptaufgabe ist es, mit den Menschen zu reden“, sagt die 76-Jährige. „Man braucht Fingerspitzengefühl um zu merken, wer von den Patienten mit uns reden möchte.“Über den Grund, warum jemand im Krankenhaus liegt, wird nur gesprochen, wenn der Patient das möchte. Groh und ihre Kollegin Anita Wessling haben festgestellt, dass sich viele Kranke „eher Fremden öffnen, weil sie ihre Liebsten damit nicht belasten wollen“.

Margret Groh (links) und Kollegin Anita Wessling im Dienst-Outfit.

Auch für die Grünen Damen ist es nicht immer einfach, die Krankengeschichten wegzustecken. „Wir sind ja auch keine Maschinen“, sagt die 73-jährige Anita Wessling. Groh ergänzt:„Früher bin ich nach meinem Dienst erstmal eine Runde durch den Wald gegangen, um alles zu verarbeiten.“ Und trotzdem gilt für die 22 Frauen: „Man muss, wenn man beim Patienten ist, auch wirklich da sein.“

Aber nicht nur zuhören gehört zur ehrenamtlichen Arbeit dazu. Oft sind es auch ganz praktische Dinge. Zum Kiosk gehen und Zeitschriften holen beispielsweise. In jedes Zimmer auf jeder Station schauen die Frauen, um zu sehen, ob sie helfen können. „Ich freue mich immer, wenn sie kommen“, sagt Richard Pollak. „Sie fragen immer, wie es mir geht und ob ich etwas brauche.“

Trinkgeld geht an krebskranke Kinder

Manchmal sind die Grünen Damen nur für wenige Minuten im Zimmer, manchmal auch für eine Stunde. Dabei besuchen sie auch junge Leute, meistens aber Ältere. Denn die würden oft nur wenig Besuch bekommen. Entweder weil die Kinder weit weg wohnen oder weil sie kaum soziale Kontakte haben. Dann organisieren die Grünen Damen auch schonmal Kleidung für die Patienten. Weil es sonst niemand tun würde.

Mit Leib und Seele sind die Grünen Damen dabei. „Denn wir bekommen auch etwas zurück“, sagt Margret Groh. Manchmal gibt es auch etwas Trinkgeld für die Damen. Doch selbst das behalten sie nicht für sich. Das Geld geht an den Verein für krebskranke Kinder der Uniklinik Frankfurt. 15.000 Euro sind in den vergangenen Jahren zusammengekommen.

Derzeit suchen die Grünen Damen weitere Mitstreiterinnen. Zu jung sollten die Frauen aber nicht sein. Denn neben Einfühlungsvermögen und Zuverlässigkeit sei auch Lebenserfahrung für die ehrenamtliche Tätigkeit wichtig. Nicht zuletzt „muss man das auch aushalten können“, betont Anita Wessling.

Wer Interesse daran hat, zusammen mit den Grünen Damen im Krankenhaus in Bad Soden ehrenamtlich zu arbeiten, meldet sich bei Margret Groh unter Telefon  (06196) 86567.

Kommentare