Offenbachs grausamste Ecken

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Bauarbeiter fanden unter dem Wilhelmsplatz eine Gruft mit Menschenknochen.

Offenbach – Leichen hängen an einem Seil auf dem Marktplatz. Der Geruch von verwesten Menschenkörpern und Blut liegt in der Luft. Heute weiß kaum ein Offenbacher, welche Grausamkeiten sich einmal vor der eigenen Haustür abspielten. Von Angelika Pöppel

Der Spielplatz an der Hermannstraße ähnelt mit seinem Hügel an die Hinrichtungsstätte.

An der Kreuzung Schäferstraße mit der Hermannstraße erinnert nichts mehr an die grausam Hingerichteten, die hier bis ins 19. Jahrhundert am Galgen baumelten. Die Leichen blieben so lange hängen, bis sie sich aufgelöst hatten. Das konnte bis zu drei Jahre dauern. Die Menschen waren Augenzeugen der Verwesung, das ergibt sich aus den Unterlagen des Offenbacher Stadtarchivs. Das Tor in der Stadtmauer in der Höhe des Marktplatzes, dass die Verurteilten auf ihrem letzten Gang passieren mussten, nannte der Volksmund das Galgentor. Die Hinrichtungsstätte nannte sich Rabenstein. Hier steht heute ein Kinderspielplatz. Auf dem Platz ist ein Erdhügel mit einer Rutsche angelegt. Einige Stufen und ein schmaler Weg führen hinauf zu einem Plateau - ähnlich soll es beim alten Rabenstein gewesen sein.

Folter, Mord und Hinrichtung

Am Galgen fanden viele Offenbacher den Tod.

Es galt als Gnade, enthauptet statt erhängt zu werden. Die Köpfe der Verurteilten wurden auf Holzpfähle aufgespießt und zur Abschreckung aufgestellt.

Die Henker mit der Lizenz zum Töten genossen keinen guten Ruf. Kein Mensch wollte mit ihnen in Kontakt kommen. Sogar eine Berührung wurde vermieden. Das Haus des Henkers in Offenbach stand in der Geleitstraße.

Zahlreiche Offenbacher laufen auch täglich über den Wilhelmsplatz und ahnungslos über alte Gräber aus dem Mittelalter. Bauarbeiter fanden eine 200 Jahre alte Gruft mit sterblichen Überresten. Denn früher begruben die Offenbacher hier ihre Toten und nicht alle Gräber wurden überführt.

Hexenverfolgung in Offenbach

Das Offenbacher Rathaus war Schauplatz für Verhöre und Folter. Hier wurden auch angebliche Hexen verurteilt. In Offenbach kam es dazu bereits im 16. Jahrhundert. Um die Angeklagten auf die Probe zu stellen, warfen die Vollstrecker sie in den Main. Wer unterging war unschuldig. Bei der Senefelderstraße vermutet Stadtarchivar Hans-Georg Ruppel den Verbrennungsort. Weitere Details sind im Stadtarchiv dokumentiert.

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