Offenbachs Geheimmuseum: 100.000 Exponate, aber keine Besucher

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Ausruhen im Jagdzimmer: Reinhold Suppes (links) ist für die Restaurierung der Ausstellungsstücke zuständig. Norbert Achenbach hat das Neuste gestiftet: Eine Tabakschneidemaschine.

Offenbach – Es hat dreimal so viele Ausstellungstücke wie das Offenbacher Ledermuseum, aber keine Besucher. Was sich kurios anhört, ist der Traum eines Offenbacher Geschäftsmanns, der anonym bleiben will. Er hat ein historisches Geheimmuseum in einem alten Fabrikhallenkomplex aufgebaut. Dem EXTRA TIPP gewährte er exklusiv Einblick in sein Reich. Von Christian Reinartz

Ein Industriegebiet mitten in Offenbach. Weiß getünchte Mauern, eine endlos lange Einfahrt. An deren Ende eine Tür aus Sicherheitsglas: Dahinter warten Exponate von unschätzbarem Wert, eine Ansammlung der Offenbacher Alltagsgeschichte der vergangenen 100 Jahre. Darunter zahlreiche Oldtimer-Motorräder, Fahrräder, antike Radios, Jukeboxen, altes Blech-Spielzeug und eine ganze Wand voller historischer Offenbacher Straßenschilder. „Eben alles, was das Leben in den vergangenen 100 Jahren hier in der Stadt und der Region geprägt hat“, sagt Reinhold Suppes stolz.

So sieht es im Offenbacher Geheimmuseum aus

Er ist ein guter Freund des Museumsbesitzers. Gemeinsam mit ihm hat er in den letzten Jahrzehnten die Exponate zusammengetragen und aufgearbeitet. „Ich bin bis heute für die handwerkliche Arbeit verantwortlich“, erklärt Suppes. Sein Freund, der die Öffentlichkeit meidet, ist der stille Finanzier. Er habe vor Jahren die Fabrikhallen gekauft. Zuvor hätten die wertvollen Exponate in Überseecontainern und Garagen gelagert, so Suppes. Mittlerweile hat er die einzelnen Stücke zu einer riesigen Ausstellung angeordnet.

Sein ganzer Stolz sind die Themen-Zimmer

Besonders stolz ist der Rentner auf die Themen-Zimmer. Originalgetreu hat er eine Wohnstube, eine Küche, ein Jagdzimmer, und eine Schmiede aufgebaut und mit Exponaten bestückt. Sogar eine Kapelle hat er auf dem Areal eingerichtet. Alles antik, alles wertvoll. Prunkstück der Sammlung ist eine antike Anrichte mit einem Wert von geschätzten 15.000 Euro. Neustes Stück: Die Tabakschneidemaschine von Norbert Achenbach. Der hat die Maschine, deren Funktion erst dank der EXTRA-TIPP-Leser geklärt werden konnte (wir berichteten), jetzt seinem alten Bekannten geschenkt.

Aber warum macht der ein solche Geheimnis um seine Identität und das Museum? Reinhold Suppes erklärt: „Das ist eben sein Hobby. Er will nicht in die Öffentlichkeit. Also bleibt die Tür zu.“

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