Kennenlernen nach 68 Jahren:  

Offenbacherin findet ihre drei Halbschwestern

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Eveline Beate Damianidis (links) hält zusammen mit ihrer Halbschwester Helen Brumbaugh ein Bild von ihrem Vater in den Händen. Hinter ihnen stehen die Halbschwestern Kathy Ross (hinten links) und Charlotte Claar.

Offenbach - Eveline Beate Damianidis suchte verzweifelt nach ihrem Vater. Nie hat die Offenbacherin nur ein Bild von ihm gesehen. Nach 67 Jahren erfährt sie von seinem Tod. Jedoch gewinnt sie drei Halbschwestern in den USA  dazu. Diese hat sie nun das erste Mal getroffen. Von Silke Gottaut

Eveline Beate Damianidis wurde mit Luftballons von ihren Halbschwestern herzlich empfangen.

Es war kein gewöhnlicher Brief, den Eveline Beate Damianidis aus ihrem Briefkasten holte. Es war der Brief, der ihr nach 67 Jahren endlich eine Antwort auf ihre ersehnte Frage gab: Wie sah mein Vater aus? „Ich habe gezittert und geweint, als ich den Brief in den Händen hielt“, sagt Eveline Beate Damianidis. „Ich wusste ja nicht, was drin steht.“ Damianidis ist mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester in Offenbach aufgewachsen. Ihren Vater Clifford Paul Chamberlain lernte sie nie kennen. Auch ein Foto bekam sie nie zu Gesicht. Der Vater musste kurz nach ihrer Geburt zurück in die USA. Er war Soldat und der Zweite Weltkrieg war noch nicht beendet. „Er hatte meiner Mutter versprochen, er komme zurück. Aber sie hat nach der Abreise nie wieder etwas von ihm gehört,“ berichtet die heute 68-jährige Tochter. „Je älter ich wurde, desto größer war die Neugier und die Sehnsucht nach meinem Vater. Wie sieht er aus, lebt er noch?“ Sie stellte sich so viele Fragen, bekam jedoch nie eine Antwort, da ihre Mutter nicht über ihren Mann sprach. „Es war nicht greifbar, das war sehr schlimm für mich. Ich schaute oft in den Himmel und hoffte, dass er es in dem Moment vielleicht auch machte.“

Sie suchte sich einen Vaterersatz

Mit 16 Jahren lernte sie ihren Mann kennen. Er war 15 Jahre älter. „Für mich war er anfangs ein Vaterersatz. Aber die Liebe entwickelte sich so weit, dass wir, bis er verstarb, 35 Jahre verheiratet waren und zusammen drei Kinder haben.“

Damianidis wollte unbedingt wissen, wie ihr Vater aussah. Doch auf dieses Bild musste sie nun fast ihr ganzes Leben warten. Nachdem die Suche nach dem Vater jahrelang erfolglos blieb, erfüllte die Frankfurter Agentur „Wiedersehen macht Freude“ ihren größten Wunsch: Sie haben etwas über ihren Vater herausgefunden.

Tolle Nachricht: Drei Halbgeschwister in den USA

Am 30. April vergangenen Jahres klingelte ihr Telefon. „Man sagte mir, dass mein Vater 1999 verstorben ist. Ich habe jedoch noch drei Halbschwestern in den USA. Eine verstarb leider schon sehr jung.“ Damianidis schrieb ihrer Halbschwester Helen Brumbaugh einen Brief und hoffte auf Antwort. Diese bekam sie einige Wochen später. Und ihr innigster Wunsch erfüllte sich dadurch – ein Foto von ihrem Vater lag in dem Umschlag. Seitdem pflegte sie Briefkontakt mit Helen Brumbaugh.

Die herzlichen Briefe führten sogar zu einem Treffen mit allen Halbschwestern. Zusammen mit ihrem Sohn flog sie im Juni in die USA nach Martinsburg Pennsylvania. „Es war eine so tolle Zeit mit ihnen. Ich werde sie nie vergessen.“ Nicht nur die gemeinsamen Gespräche und Unternehmungen, sondern auch die vielen Bilder, Geschichten und Andenken an ihren Vater, bleiben in ihrem Herzen. Auch wenn sie nicht weiß, ob sie ihre Halbgeschwister aufgrund der weiten und teuren Reise jemals wiedersehen wird, ist sie überglücklich. So glücklich, dass sie ihr Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommt.

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