IS-Terror in Nordsyrien

Offenbacherin kämpft für die Kurden in Kobane

Dilar Dirik (links) mit ihrer Schwester Helin beim Hungerstreik in Wiesbaden. Foto: nh

Region Rhein-Main – Dilar Dirik setzt sich politisch für die Kurden im nordsyrischen Kobane ein. Die Stadt wird seit Wochen von der IS-Terror-Milz angegriffen. Die Offenbacherin fordert mehr Aufmerksamkeit, militärische Unterstützung und Waffen. Von Dirk Beutel 

Seit Wochen schon kämpfen kurdische Kämpfer gegen die IS-Miliz um die Grenzstadt Kobane in Nordsyrien. Doch erst jetzt nimmt die Weltöffentlichkeit Notiz von der Schlacht um die Stadt an der türkisch-syrischen Grenze. Geografisch mag der Terrorkrieg weit entfernt sein, doch er ist längst auch in Deutschland angekommen. Davon ist Dilar Dirik überzeugt. Nicht zuletzt wegen der zahlreichen Rekrutierungen und Radikalisierungen junger Menschen für den Dschihad. Auch weil mittlerweile immer mehr Kurden auf die Straße gehen. Deshalb setzt sich die 23-Jährige Aktivistin weiter für die Menschen in Kobane ein und will auf die Situation dort aufmerksam machen.

Eigentlich lehnt die Offenbacherin jede Form der Gewalt ab. „Aber der Islamische Staat steht längst vor der Tür. Und um ihn zu bekämpfen, braucht es radikale Aktionen. Denn mit so einem System, das Menschen versklavt und Frauen vergewaltigt, kann man nicht verhandeln“, sagt Dirik. Das wichtigste seien Waffen. Anders könne man die IS-Dschihadisten nicht zurückdrängen. „Man braucht keine Bodentruppen zu entsenden, denn jeder, der dort eine Waffe halten kann, kämpft für die Stadt. Doch die Menschen dort müssen ausgerüstet werden, sonst wird Kobane fallen.“

Hungerstreik für mehr Aufmerksamkeit

Ende September ging Dirik zusammen mit 50 anderen Kurden in Wiesbaden für sechs Tage in den Hungerstreik. „Es war eine gute Erfahrung. Viele Menschen wollten sich über die Situation in Kobane informieren“, sagt die 23-Jährige, die ihre Zeit momentan mit der Organisation von Demonstrationen und Kundgebungen in Deutschland und Europa verbringt.

In Wiesbaden hat sie einige Flüchtlinge aus der Region kennengelernt. „Diese Menschen wollen nicht hier bleiben. Sie wollen zurück in ihre Heimat, in ihr altes Leben zu ihren Familien und Freunden.“

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Dennoch wünscht sich die Offenbacherin, die zurzeit eigentlich in Cambridge lebt und an ihrer Doktorarbeit über die kurdische Frauenbewegung in Soziologie schreibt, eine bessere Flüchtlingspolitik von der EU, die ohnehin bislang nur tatenlos zusehe. Auch die Unterstützung der USA sieht die Kurdin, die mit drei Jahren nach Deutschland kam, kritisch: „Da muss auf jeden Fall mehr kommen. Die Unterstützung der Amerikaner kam ohnehin viel zu spät. Schon jetzt droht in Kobane ein Massaker. Der Islamische Staat will Völkermord an den Kurden begehen.“

Vor allem aber mache Dirik die Zurückhaltung der Türkei wütend. Dabei sei die Angriffswelle des Islamischen Staates vorhersehbar gewesen: „Die Kurden kämpfen bereits seit zwei Jahren gegen den Islamischen Staat, nur hat das bis jetzt niemanden interessiert“, sagt sie. Sie will weiterkämpfen und den Druck auf die Politik erhöhen. In ein paar Wochen will sie nach Kurdistan reisen und mit der dortigen Frauenbewegung Kontakt aufnehmen. Dirik: „Das Thema meiner Doktorarbeit ist im Augenblick relevanter denn je und ist von meinem Engagement für Kobane ohnehin nicht zu trennen.“

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