Kaum noch Spenden

Offenbacher Kleiderladen in der Krise

+
Barbara-Anne Podborny vor dem Eingang zum Kleiderladen. Die stellvertretende Leiterin des Diakoniezentrums kann sich den plötzlichen Rückgang der Kleiderspenden nicht erklären.

Offenbach - Wo früher täglich bis zu 15 Personen ihre alte Bekleidung abgaben, kommt heute kaum noch jemand hin. Doch der Offenbacher Kleiderladen ist dringend auf diese Spenden angewiesen. Erste Folgen des traurigen Trends sind nun bereits spürbar.  

Die leeren Kleiderbügel baumeln im Keller. Von drei Lagerräumen wird derzeit nur noch einer genutzt. „Das ist alles, was noch übrig ist“, sagt Barbara-Anne Podborny mit Blick auf den einen Kleiderständer, an dem noch Klamotten hängen. Sie ist als stellvertretende Leiterin des Diakoniezentrums Offenbach des Diakonischen Werks Offenbach-Dreieich-Rodgau auch für den Kleiderladen zuständig.

Der Laden in der Gerberstraße 15, den das Diakonische Werk seit 21 Jahren betreibt, hat seit etwa vier Monaten massive Probleme. Es werden kaum noch Spenden abgegeben, die Kleiderboutique musste schon zwei Wochen lang geschlossen bleiben, weil einfach nichts mehr zum Verkaufen da war. Nach einem Grund für den plötzlichen Rückgang der Spenden suchen Podborny und ihre Kollegin Doreen Schneider vergebens. „Es lässt sich nicht erklären“, sagt Podborny. Weder habe der Kleiderladen seine Öffnungszeiten geändert, noch seinen Standort, auch die Nachfrage sei nicht wesentlich angestiegen.

Mit einem mal sei nur einfach kaum noch jemand gekommen, der etwas abgeben wollte. Vorher waren es täglich etwa 10 bis 15 Personen, die alte Hosen, Pullover, Decken und mehr abgeben wollten, schätzt Podborny. Nun seien es im Durchschnitt am Tag vielleicht noch zwei Spenden. Manchmal komme auch gar keiner. Das Diakoniezentrum, zu dem neben dem Kleiderladen etwa auch die Teestube gehört, habe viele Stammkunden, sagt Doreen Schneider. Neue Leute kämen hingegen kaum. Jetzt habe man aus der Not heraus erst mal unter den Kollegen gesammelt, die ihrerseits Familien und Freunde mobilisiert hätten.

Einen Kleidercontainer hat das Diakonische Werk bislang nicht. So schnell wie möglich soll sich das ändern. Für die Anschaffung ist das Werk jedoch auf Unterstützung angewiesen. Denn alles, was zugekauft werden muss, wird über Spenden finanziert. Auch der Kleiderladen ist subventioniert, er konnte sich noch nie selbst tragen, wie Barbara-Anne Podborny erklärt. Sollte es mit dem Container klappen, soll dieser vor der Tür stehen. Dabei können Kleider auch abgegeben werden, wenn der Laden nicht geöffnet ist. Gesucht werden auch Dinge, die Leute eher nicht so gern spenden, wie etwa Unterwäsche, erklärt Podborny, „wir nehmen alles an, was gewaschen ist und nicht kaputt“. Denn aus dem Fundus des Kleiderladens werden beispielsweise auch Menschen versorgt, die auf der Straße leben und oftmals von Kopf bis Fuß neu eingekleidet werden müssen. Einkaufen kann im Kleiderladen aber grundsätzlich jeder, ob bedürftig oder nicht. Danach richtet sich auch der zu bezahlende Preis.

Der eigentliche Laden lädt zum Stöbern ein und ist unterteilt in eine renovierte Boutique und eine größere Halle, in der auch Decken, Schuhe und Geschirr im Angebot sind. Wie lange überhaupt noch geöffnet werden kann, ist indes ungewiss, denn ohne Reserven kann der Kleiderladen bald nicht mehr bestückt werden.

Der Kleiderladen im Diakoniezentrum des Diakonischen Werks Offenbach-Dreieich-Rodgau, Gerberstraße 15, ist von Montag bis Freitag von 9.30 bis 15.30 Uhr geöffnet. Informationen erhalten Interessierte im Internet auf der Seite www. diakonie-of.de/angebote/diakoniezentrum-offenbach.html, unter Telefon 069 829770350 oder per E-Mail an kleiderladen@diakonie-of.de.

ema

Kommentare