Von Offenbacher Studenten entwickelt 

Wanne war gestern: So baden Sie in Zukunft

+

Region Rhein-Main – Junge Menschen können es genauso nutzen wie Senioren. Im Idealfall ist es ästhetisch und gleichzeitig funktional: Das „Bad der Zukunft“ wird jetzt auf der internationalen Sanitär- und Heizungsmesse (ISH) in Frankfurt vorgestellt. Von Christina Langenbahn 

Lesen Sie auch:

Offenbacher Designer stellen Küche 2020 vor

Offenbacher macht Kunst mit Klebeband

Offenbacher stellt erfolgreich Tische auf den Kopf

Ziel des Projekts: Barrierefreiheit soll zu einem Design für alle werden. Studenten der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) haben dafür mit Praktikern aus dem Sanitärhandwerk neue Badkonzepte entwickelt. Eingebunden waren auch Senioren, die in ihrem Alltag auf barrierefreie Bäder angewiesen sind. „Wir möchten mit diesem Forschungsprojekt neue, innovative Impulse für die Entwicklung von generationsübergreifenden Bädern geben“, sagt Matthias Thiel, zuständiger Projektleiter beim Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Im Fokus stünden Ästhetik und Nutzerfreundlichkeit für eine möglichst breite Zielgruppe. „Die Lebensqualität soll durch die neuen Ideen bis ins hohe Alter erhalten bleiben, ohne, dass Senioren oder Behinderte stigmatisiert werden und ins Heim müssen“, erläutert Thiel.

Die Studenten unter der Leitung von Professor Frank Georg Zebner fanden mit ihren Konzepten zum Beispiel heraus, dass man zum Duschen nicht unbedingt einen Duschkopf benötigt, und dass für einen festen Halt nicht immer ein Griff da sein muss.

Duschkopf ist nicht nötig

Studentin Lina Wullenweber ist vom Projekt begeistert. „Die Zusammenarbeit mit den Firmen war eine realitätsnahe Erfahrung“, sagt sie. Auch die Zusammenarbeit mit der Seniorenhilfe Offenbach sei wertvoll gewesen. „Wir haben von den Senioren gehört, welche Schwierigkeiten es bei der Badbenutzung geben kann. Unsere Ideen dazu haben ihnen gefallen.“ Punkt 1: Von Lina Wullenweber stammt unter anderem die Badeliege . „In neuen Bädern gibt es wegen Barrierefreiheit und Wasserverbrauch kaum noch Badewannen“, sagt die Studentin. Mit der Liege fällt nicht nur die eigene Reinigung leicht. Wenn Hilfe durch Pflegepersonal benötigt wird, ist auch dies ohne Probleme möglich. In der Liege befinden sich feine Düsen für die Wasserzufuhr. Der punktuelle Austritt des Wassers hat neben der reinigenden Funktion auch eine Massagewirkung. Die Düsen werden durch ein Sensorsystem gesteuert.

Bilder vom Bad der Zukunft

Wanne war gestern: So baden Sie in Zukunft

Prototypen noch nicht marktreif

Punkt 2: Kommilitonin Pia Scharf entwickelte eine Dusche , die aus einer Deckenarmatur besteht, aus der einhundert dünne Silikonschläuche senkrecht austreten. Aus diesen Kapillaren läuft das Wasser, zwischen denen die Person steht oder sitzt.

Punkt 3: Ein Waschbecken mit Griff- und Haltefunktion, das mit dem Rollstuhl unterfahren werden kann, designte Miriam Schmitt.

Punkt 4: Zum Festhalten müssen es auch nicht immer Haltegriffe sein, wie man sie von Behinderten-Toiletten kennt. Shaghayegh Puid hat Tücher entwickelt, die beim Greifen Unterstützung geben können. Dem Nutzer soll durch unterschiedliche Formen ein sicheres Halten ermöglicht werden, wobei ihm aber auch die Bewegungsfreiheit gelassen werden soll, damit er in seiner körperlichen Bewegung nicht eingeschränkt wird.

Punkt 5: Entspanntes Reinigen im Sitzen ganz ohne Haltegriffe und sonstige Hilfen ermöglicht schließlich der Hocker von Joseph Schreiter.

Noch sind die aufwändig hergestellten Prototypen nicht marktreif. „Einige Hersteller wollen aber etwas von den Ideen aufgreifen“, sagt Matthias Thiel. Dann liegt es vielleicht gar nicht in so weiter Ferne, das „Bad der Zukunft“.

Kommentare