Shams Ul-Haq floh vor 25 Jahren aus Pakistan

Offenbacher Ex-Flüchtling ist heute Terrorismusexperte

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Offenbach - 25 Jahre ist es jetzt her, dass Shams Ul-Haq aus Angst vor religiöser Verfolgung mit einer Schlepperbande von Pakistan nach Deutschland floh. Sein Beispiel zeigt, wie aus einem Flüchtling ein engagierter Bürger werden kann. Von Christina Langenbahn

Ganz in der Nähe seiner Wohnung hat Shams Ul-Haq am Main diesen Edelstahlquader entdeckt, der den Verlauf des Mains in Verbindung mit dem Indus-Fluss darstellt, der auch durch Pakistan fließ. Der Offenbacher sieht diesen Quader als Brücke zwischen seinen Heimaten.

Als freiberuflicher Journalist hat sich der Weitgereiste mittlerweile einen Namen als Terrorismusexperte gemacht. Er berichtet für Zeitung und Fernsehen aus Krisengebieten wie Afghanistan und organisiert als Asien- und Migrationsexperte Journalistenreisen mit dem Deutschen Presse Verband.

Seit zehn Jahren lebt Shams Ul-Haq in Offenbach. Sein Ziel: Er möchte einen guten Beitrag für die Verständigung zwischen den Völkern leisten und für mehr Verständnis werben. Im Moment mehr denn je, „denn durch die aktuelle Flüchtlingsdebatte werde ich natürlich täglich auch an meine eigene Flucht erinnert“, sagt er.

Als Shams-Ul-Haq damals nach einwöchiger Reise sicher im rheinland-pfälzischen Bad Marienberg im Westerwald ankam, war er erst 14 Jahre alt. Seine Eltern hatten ihn mit drei Gleichaltrigen zu Verwandten geschickt, weil sie sich für ihr Kind eine Zukunft ohne Angst wünschten. „Dass ich einmal das letzte Interview mit der ehemaligen pakistanischen Premierministerin Benazir Bhutto führen würde, kurz bevor sie ermordet wurde, hätte ich damals ebenso wenig für möglich gehalten, wie mein Gespräch mit dem ehemaligen afghanischen Präsidenten Hamid Karzai“, sagt Shams Ul-Haq. Der Weg des Pakistani begann nach seiner Ankunft in Deutschland mit dem Besuch der Realschule, an den sich eine Lehre zum Schweißer anschloss. Nachdem er in verschiedenen deutschen Städten gewohnt hatte, kam er schließlich vor zehn Jahren nach Offenbach, wo er bis heute lebt. Allen Zweiflern, die immer wieder nachfragen, ob sich denn wirklich so viele Flüchtlinge auf den Weg machen müssten, entgegnet er knapp: „Es ist Krieg. Die Menschen müssen flüchten.“ Aber er habe auch Verständnis für diejenigen, die dieser neuen Situation mit Angst und Sorge begegnen. Diese Leute könne man nicht immer nur als dumm bezeichnen. „So leicht kann man es sich nicht machen. Man muss ihnen immer wieder Foren bieten, in denen sie zu Wort kommen können, in denen man ihnen zuhört und Zweifel aus dem Weg räumen kann“, fordert er. „Es gibt für jedes Problem eine Lösung“ – da ist Shams Ul-Haq sich sicher.

Mittlerweile hat der Offenbacher die deutsche Staatsbürgerschaft und fühlt sich in seiner Stadt sehr wohl. Er ist Mitorganisator des Offenbacher Pakistan Peace Days, für dessen Organisation er mit dem Oberbürgermeister Horst Schneider in Verbindung steht. „Ich bin sehr dankbar für diese große Unterstützung“, sagt Ul-Haq. Aber er plädiert auch für mehr Freundlichkeit bei den Offenbacher Behörden. Da er oft als Übersetzer im Einsatz ist, bekommt er im Amt einiges mit. „Ein kleines Lächeln dem Fremden gegenüber, der da zum ersten Mal in der Ausländerbehörde ist und vielleicht völlig verängstigt gar nicht weiß, wie es jetzt mit ihm weiter geht, kann eine Brücke bauen“, sagt er. Das wünscht er sich natürlich von beiden Seiten.

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Christina Langenbahn

Christina Langenbahn

E-Mail:christina.langenbahn@extratipp.com

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