Tristesse, Ödnis und keine Veränderung in Sicht

Offenbach: Das ist der traurigste Hauptbahnhof der Region

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Trauriges Bild im Innern des Offenbacher Hauptbahnhofs.

Offenbach  - Hauptbahnhof einer Großstadt – das steht für Trubel, Hektik und geschäftiges Treiben. In Offenbach fristet das dortige Gebäude ein trauriges Dasein. Und es gibt keine Anzeichen, dass sich daran etwas ändert. Von Axel Grysczyk

Seit rund einem Jahr ist der Offenbacher Hauptbahnhof im Inneren mieterfrei. Außer einem Foto- und einem Fahrkartenautomaten ist nichts mehr geblieben. Ödnis regiert das Gebäude, das zirka 5000 Fahrgäste pro Tag nutzen. Zum Vergleich: Den Bahnhof in Obertshausen nutzen 10.000 Fahrgäste. Bahn-Sprecherin Regina Marusczyk bestätigt, dass man bemüht sei, neue Mieter zu finden. Doch etwas zu verkünden gäbe es nicht. „Wir bleiben aber weiter dran“, sagt sie. Solange verkümmert der Hauptbahnhof weiter.

Es gibt sogar Öffnungszeiten

Leere Geschäfte im Offenbacher Hauptbahnhof.

Während es in dem um 30.000 Einwohner kleineren Hanau unter anderem ein Schnellrestaurant, einen Bäcker und einen Buchladen im Hauptbahnhof gibt, herrscht in Offenbach Leere. Und während Reisende dort mit dem ICE in die weite Welt reisen können, ist es von Offenbach möglich, stündlich nach Wächtersbach zu reisen.
Der Offenbacher Hauptbahnhof hat sogar Öffnungszeiten: Von ein Uhr bis 4.30 Uhr ist er geschlossen. Das Problem ist hausgemacht: Seit dem die S-Bahn unter dem Marktplatz durch die Lederstadt zischt, ist der dortige Bahnhof zum heimlichen Hauptbahnhof geworden. Dort gibt es nicht nur zahlreiche Fahrgäste, sondern auch verschiedene Läden und moderne Leinwände, auf denen Werbung oder Nachrichten gezeigt werden.

Offenbach zu dicht an Knotenpunkt Frankfurt

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Immer mehr Flüchtlinge am Frankfurter Hauptbahnhof

Der Offenbacher Hauptbahnhof ist einfach zu dicht am Frankfurter Hauptbahnhof, der als zentraler Bahnknotenpunkt in Europa eine weitere Schienen-Hochburg in der Nähe nicht zulässt. Für die alternative Nutzung des Offenbacher Ensembles gibt es bis jetzt nur Ideen.
Etwas Zählbares ist dabei noch nicht herausgesprungen, dazu fehlt auch das Geld. Eine Nutzung ähnlich wie in Kassel als der dortige Hauptbahnhof nach dem Neubau des ICE-Bahnhofs Wilhelmshöhe seine zentrale Bedeutung verlor und zum Kulturbahnhof wurde, lässt sich wohl kaum realisieren. Und so muss der Hauptbahnhof es weiter ertragen, dass andere Hauptbahnhöfe wie in Darmstadt modernisiert und fit gemacht werden für die derzeitigen Ansprüche der Reisenden und in Offenbach einfach nur die Zeit vergeht.

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