Schulleiter spricht von Panne

Offenbach - Die Schulämter und Schulleitungen der vom Turnfest betroffenen Schulen haben gemeinsam dafür Sorge getragen, dass Lehrkräfte zur Gestaltung von Betreuungsangeboten zur Verfügung stehen", erklärt Barbara Kleeblatt, Sprecherin im hessischen Kultusministerium.

"Außerdem ist laut Beschluss der Stadt Frankfurt während des Turnfestes der Besuch von Einrichtungen wie dem Zoo für Schulgruppen kostenlos. Acht in der Stadt Offenbach und 30 Schulen im Kreis Offenbach sind von der Turnfest-Besucher-Aufnahme betroffen. Schulamts-Direktorin Susanne Meißner-Kurt vom Offenbacher Schulamt sieht es gelassen. "Die Situation war lange vorher bekannt. Alle betroffenen Schulen konnten sich vorher darauf einstellen. Zudem werden die Schulen nicht komplett geschlossen", sagt sie. Und das Schulamt hat reagiert. Einen beweglichen Feiertag, den die Schulen üblicherweise selbst einplanen können, hat das Schulamt für die Region auf den Dienstag nach Pfingsten verbindlich für alle Schueln festgelegt. Meißner-Kurt: "Damit sind nur der Mittwoch, Donnerstag und der Freitag von Unterrichtsalternativen betroffen."Die Realität offenbart feine Unterschiede. Beispiel Stauffenbergschule Frankfurt: Schulleiterin der Berufs- und Berufsfachschule, Karin Schad, versichert, dass es beim Lernstoff keine Abstriche gibt. Zudem hätten die Lehrer an zwei Samstagen verpflichtend an Weiterbildungen teilnehmen müssen. Zumindest eine Klasse hat aber dankend ein Angebot angenommen, den Unterricht in Räumen eines Unternehmens abzuhalten, damit die Schüler sicher auf Prüfungen vorbereitet werden können.

Beispiel Gymnasien: Rektor Hans Peter Löw von der Dietzenbacher Heinrich-Mann-Schule findet es toll, dass so eine einmalige Veranstaltung wie das Turnfest in die Region kommt. Mit den Abiturprüfungen und zwei Tagen Bundesjugendspielen habe sich seine Schule im Konsens mit der Elternschaft auf die Situation eingestellt. Sein Kollege Gerhard Kemmerer widerspricht: "Jeder Unterricht, der nicht stattfindet, muss nachgeholt werden. Und das geht zu Lasten des ohnehin schon gedrängten Stundenplans." Er habe zwar versucht, möglichst viele Tage mit Wandertagen und Bundesjugendspielen zu belegen. "Aber das ist nur Schadensminimierung. Letzten Endes fehlt den Schüler etwas."

Beispiel Eltern: Einige haben sich über die Situation beim EXTRA TIPP beschwert. Jutta Maria Wendel kann den Argumenten von Schulamt und Ministerium nicht folgen. Schließlich werden die verloren gegangenen Inhalte zusätzlich in den vollen Stundenplan gepresst. "Schon brauchen ungefähr 75 Prozent der Schüler in der sechsten Klasse meiner Tochter Nachhilfe", sagt sie: "Das ist Wahnsinn." Vor allem ärgert sie daran, dass die Arbeit auf die Eltern abgewälzt wird. "Die Schulzeit wird immer kürzer und die Kinder sollen immer mehr lernen", sagt Wendel: "Wer sich da keine Nachhilfe leisten kann, hält einfach nicht mit." Grund für den Missstand ist nach Schulleiter Kemmerers Meinung eine Kommunikationspanne zwischen hessischem Kultusministerium und Turnerbund. "Fast alle anderen Bundesländer hatten Pfingstferien während des Turnfests", sagt Kemmerer: "Hessen nicht. Und daher haben wir jetzt den Salat."

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