Sind öffentliche WCs reine Luxusobjekte?

Seligenstadt - Strom, Wasser, Versicherung, Stördienst und vor allem die regelmäßige Reinigung: Es sind die Unterhaltungskosten, die eine öffentliche Toilette zu einem Luxus-Objekt machen.  Und wenn eine Kommune Pech hat, kommt noch die Beseitigung von Vandalismusschäden hinzu.

Seligenstadt unterhält nach eigenen Angaben fünf öffentliche Toiletten: am Rathaus/Marktplatz, am Bubenschulhof, am Parkdeck, auf dem Friedhof und am Kapellenplatz. Das alles lässt sich die Stadt im Jahr rund 50.000 Euro kosten. Da die Toiletten ohne Gebühr benutzt werden können, kommt noch nicht einmal ein Betrag zurück.

Doch gerade dieser würde verdeutlichen, wie groß das Zuschussgeschäft bei derartigen WCs ist. So beispielsweise in Heusenstamm. Dort steht an der ParkRide-Anlage am Bahnhof ein Toilettenhäuschen. 20 Cent kostet die Benutzung und im Monat kommen in der Regel weit weniger als 30 Euro auf diese Art und Weise zusammen. Dem gegenüber stehen die 450 Euro, die die Stadt im Monat an eine Wartungsfirma überweist. Rodgau mit seinen sechs öffentlichen Toiletten an den jeweiligen S-Bahn-Haltestellen gibt im Jahr etwa 85.000 Euro dafür aus. Die jährlichen Einnahmen liegen bei 1.500 Euro.

Die Stadt Dreieich nimmt für ihr WC am Buchschlager Bahnhof 30 Cent. Rund 450 Euro kommen so im Jahr zusammen. Um die Toilette kostendeckend betreiben zu können, müssten es zirka 16.000 Euro mehr sein oder umgerechnet 53.000 mehr WC-Nutzer geben. Die Toilette am Obertor in Dreieichenhain kann hingegen kostenlos genutzt werden. Das lässt sich die Stadt jährlich knapp 8.000 Euro kosten. Ein weniger kostengünstiger ist es in Groß-Umstadt. Die dortige Toilette am Pfälzer Schloss wird jährlich für 3.000 Euro sauber und in funktionierendem Zustand gehalten.

Dieburg geht zwei unterschiedliche Wege Wege. Zum einen gibt es vier öffentliche Toiletten, für die im Jahr 36.000 Euro ausgegeben werden. Über das gebührenpflichtige WC am Bahnhof kommen rund 700 Euro zurück. Außerdem gibt es in Dieburg das Modell "Freundliches Örtchen". In der Altstadt und der Fußgängerzone konnten Geschäftsleute gewonnen werden, die ihre Laden-Toiletten für dringende Bedürfnisse zur Verfügung stellen. Diese Bereitschaft signalisieren sie durch ein spezielles Schild. "Die Geschäfte bekommen dafür einen kleinen Zuschuss", sagt Ulrike Posselt von der Stadtverwaltung.

Einen ähnlichen Weg verfolgt Neu-Isenburg. Die Kommune hat zwar keine öffentlichen Toilettenhäuschen, dafür einen WC-Stadtplan. Darauf sind alle Toiletten in öffentlichen Gebäuden wie etwa dem Rathaus, der Hugenottenhalle, den Bürgerämtern und der Stadtbibliothek samt deren Öffnungszeiten verzeichnet. Insgesamt sind es 16 Standorte, an denen Menschen mit einem dringenden Bedürfnis Erleichterung erfahren.

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