Frankfurter Grüfte bald auch in Offenbach?

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Auf dem Frankfurter Hauptfriedhof steht diese Kapelle.

Offenbach/Frankfurt – Von wegen letzte Ruhe – auf dem altehrwürdigen Frankfurter Hauptfriedhof streiten sich die Geschmäcker wegen zwei Kapellen auf Sinti- und Roma-Gräbern. Könnten solche Bauten auch auf dem neuen Friedhof in Offenbach gebaut werden? Von Norman Körtge

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„Nein“, sagt Offenbachs Stadtrat Paul-Gerhard Weiß mit Bestimmtheit, „so etwas ist bei uns nicht möglich.“ Damit nimmt er zugleich all denjenigen den Wind aus den Segeln, die befürchtet hatten, dass mit der vor kurzem neu beschlossenen Friedhofsordnung solche Kapellen auch auf dem Neuen Friedhof an der Mühlheimer Straße errichtet werden könnten. Zwar erlaube die Satzung Aufbauten von bis zu 2,50 Meter Höhe, aber die Verwaltung würde darauf achten, welche Materialien verwendet werden und wie die Außengestaltung aussieht.

Denn genau das ist es, was viele Besucher des Frankfurter Hauptfriedhofs an der Roma-Kapelle stört: Ziegeldach, Wasserrinnen, Glasbausteinen als Fenster und eine weiße Kunststoff-Eingangstür. Von Baumarkt-Stil ist die Rede. Andere bezeichnen das Aussehen der Kapelle als Gartenhütte oder gar als Klohäuschen. Viele stört vor allem, dass direkt daneben das Ehrengrab des Frankfurter Industriellen und Mäzen Leo Gans liegt.

In Offenbach separates Gräberfeld für Sinti und Roma

Stadtrat Weiß ist sich sicher, dass es zu solch einer Diskussion in Offenbach gar nicht erst kommt, da 2008 auf dem Neuen Friedhof ein separates Gräberfeld für Sinti und Roma eingerichtet worden ist. Bislang sind dort zwei Grüfte errichtet worden: Jeweils eine in den Jahren 2009 und 2010. In diesem Jahr ist bislang keine neue Gruft hinzugekommen.

Weiß glaubt auch nicht, dass durch die Ausweisung des Gräberfeldes vermehrt Sinti und Roma nach Offenbach ziehen würden. Diese Befürchtung hatte CDU-Politiker Tobias Männche in einer Anfrage an den Magistrat geäußert. In vielen Städten hätten Sinti und Roma die Möglichkeit, ihre Toten zu bestatten, sagt Weiß, und zählt Speyer, Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe auf – und nicht zu vergessen Frankfurt.

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