Blumen über den Beinen

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Willi Radzuwait (links) und sein Teamleiter Wolfgang Zehner arbeiten in der Schreinerei in den Oberurseler Werkstätten zwischen lauten Sägen und jeder Menge Holz.

Region Rhein-Main – Willi Radzuwait ist lernbehindert. Er arbeitet in der Schreinerei der Oberurseler Werkstätten. Mit seiner Arbeit bereitet er anderen Menschen Freude. Zusammen mit seinem Gruppenleiter Wolfgang will er Senioren glücklich machen. Mit Hochbeeten. Von Silke Gottaut

Bunte Blumen, gesunde Kräuter und leckere Erdbeeren wachsen auf 90 Zentimeter Höhe im Seniorenzentrum in Mainz-Kostheim. 140 Zentimeter ist ein Hochbeet lang, 60 Zentimeter breit und 90 hoch.

Senioren freuen sich, dass sie sich im Stehen um ihre Blumen kümmern können.

„Es ist einfach toll, dass Rollstuhlfahrer unter das Beet rollen können und ältere Menschen sich nicht bücken müssen“, sagt die Leiterin der Schreinerei der Oberurseler Werkstätten Yvonne Sarasty Rodriguez. Es ist nicht einfach nur Holz, auf dem man pflanzen kann, sondern „es ist ein Geschenk für ältere oder behinderte Menschen.“ Denn die angenehme Arbeitshöhe erleichtert die Arbeit beim Bepflanzen erheblich.

Die Idee den Oberurseler Werkstätten, Hochbeete in Auftrag zu geben, hatte Karin Klinger vom Seniorenzentrum Mainz-Kostheim: „Senioren haben durch ihre Lebenserfahrung sehr viel Ahnung von Blumen und Kräutern. Damit sie ihre Bepflanzungs-Liebe nicht aufgeben müssen, kam ich auf die Idee mit den Hochbeeten.“ Zusammen mit Kindergartenkindern haben die Senioren die Hochbeete gepflanzt. „Beide Generationen hatten dabei viel Spaß.“

Der Bau der holzigen, sechseckigen Hochbeete war nicht leicht: „Die Eckteile mussten gut geleimt werden, damit die Ecken nicht wieder auseinander gehen“, erklärt Gruppenleiter Wolfgang Zehner von den Oberurseler Werkstätten. Zusammen mit Willi Radzuwait hat er sie zusammen gebaut.

Mit sägen und feilen ist so ein Hochbeet noch nicht fertig. Auf das spezielle Douglasienholz, das gegen Fäulnis und Insektenbefall gewappnet ist, kommt noch ein Öl. Damit ist eine Oberfläche für einen Langzeitschutz und gegen Vergrauen gegeben. „Das Tolle ist, dass man nicht nass wird, wenn man im Sitzen pflanzt“, sagt Radzuwait fröhlich.

In den Oberurseler Werkstätten arbeiten geistig und mehrfach behinderte, sowie psychisch und seelisch kranke Menschen. Wenn sie keine Hochbeete bauen, dann schreinern sie zum Beispiel Holz-Spielzeug oder Apfelweindeckel.

Über das Ergebnis ihres Produkts war Zehner glücklich:„Wir waren mit unserer Arbeit sehr zufrieden und es ist schön zu wissen, dass Andere jetzt damit Freude haben.“

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