Trotz Schulden

Taunus-Städte investieren Millionen in ihre Hallenbäder

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Im Königsteiner Kurbad lässt es sich gut aushalten. Damit es so bleibt, will die Kommune noch in diesem Jahr mit der Sanierung beginnen. Die Kosten belaufen sich auf zirka sieben Millionen Euro.

Taunus – Es tut sich was im Vordertaunus: Oberursel baut bereits ein neues Bad, in Eschborn wurden diese Woche die Pläne für die Erweiterung des Wiesenbades vorgestellt und die Sanierung des Kurbades in Königstein soll dieses Jahr beginnen. Von Norman Körtge

Die Kommunen nehmen dafür jeweils mehrere Millionen Euro in die Hand. Dafür gibt’s auch Kritik.

Das Frei- und Hallenbad „ Wiesenbad “ in Eschborn soll attraktiver werden. Fast beschlossene Sache ist es, dass im Außenbereich der in die Jahre gekommene Eltern-Kind-Bereich saniert und eine Wasserrutsche gebaut wird. Aber auf der Wunschliste steht auch eine Verlängerung und Verbreiterung des bisherigen 25-Meter-Beckens in ein 50-Meter-Becken mit mindestens sechs Bahnen. Und es soll auch ganzjährig nutzbar sein. Diese Woche stellte der Frankfurter Architekt Alexander Theiss seine Machbarkeitsstudie in verschiedenen Ausbauvarianten – zum Beispiel mit Traglufthalle, sechs beziehungsweise acht 50-Meter-Bahnen oder Bau einer Schwimmhalle mit Schiebedach – vor. Je nach Variante entstehen Baukosten zwischen einer und 19 Millionen Euro.

Nicht die Investitions-, sondern die Betriebskosten sind wichtig

Viel Geld, aber es waren nicht diese Summen, die gleich mehrmals in den Vordergund rückten. Es waren die Betriebskosten. „Wir können nicht nur schauen, was wir jetzt in der Stadtkasse haben“, sagte Stadtrat Thomas Ebert. Vielmehr müsse auch geschaut werden, wie die laufenden Kosten zukünftig gedeckt werden. Zirka 6000 Euro kostet das Wiesenbad die Stadt momentan pro Tag. Im Jahresverlauf summiert sich das Ganze auf etwa 1,8 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen Einnahmen von nur 345.000 Euro. Architekt Theiss: „Auf 40 Jahre gesehen machen die Investitionskosten hier nur zehn Prozent an den Gesamtkosten aus.“

Oberursel baut für 15 Millionen Euro

Ob sich dem die Stadt Oberursel so bewusst ist, bezweifelt Frank Kothe, Vorsitzender der Oberurseler Bürgergemeinschaft (OBG). Seine Fraktion war es, die im vergangenen Jahr gegen den 15 Millionen Euro teuren Neubau des Hallenbades stimmte und damit sogar die Koalition mit SPD und Grünen platzen ließ. Er befürchtet, dass unter den Betriebskosten in den nächsten Jahren andere Leistungen der Stadt leiden werden.

In Oberursel wird gebaut: Links ist das Schwimmbecken des Freibades zu sehen, rechts entsteht das neue Hallenbad.

Das glaubt Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum nicht. Vielmehr denkt er, dass es zu Synergien zwischen dem Neubau und dem Freibad geben wird. Für ihn ist die mit großer Mehrheit getroffene Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung auch ein wichtiger Standortfaktor. „Oberursel ist als Wohnstadt sehr begehrt und hat eine junge Bevölkerung“, berichtet er. Das habe sich auch in den immer wieder geäußerten Wünschen der Bürger nach einem neuen Hallenbad widergespiegelt. Eine Kooperation mit dem benachbarten Bad Homburg und dem dortigen Seedammbad sei nicht weiter verfolgt worden. Finanziert wird der Bau durch den Verkauf von städtischen Grundstücken.

Interkommunale Zusammenarbeit

Dass es mit der interkommunale Zusammenarbeit nicht einfach ist, berichtet auch Eschborns Bürgermeister Wilhelm Speckhardt. Es habe schon vor Jahren Gespräche mit Schwalbach und Bad Soden gegeben. Auch Sulzbach sollte mit ins Boot geholt werden. Letztendlich sei es eine Frage des Standortes, der den Bürger nicht zu vermitteln sei, meint der Rathaus-Chef.

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Dass der Wasserspaß unterm Dach auch mit guten Betriebsergebnissen aufwarten kann, beweist die Rhein-Main-Therme in Hofheim, die wie die Taunus-Therme in Bad Homburg privatwirtschaftlich betrieben wird. „Wir können andere Eintrittspreise nehmen, als wenn es eine kommunales Schwimmbad ist“, sagt Robin Stork, einer von drei Geschäftsführern der Rhein-Main-Therme GmbH & Co. KG. Zum Vergleich: Erwachsene zahlen für drei Stunden 15 Euro – ohne Saunanutzung. In Eschborn hat man die Sauna für 9,50 Euro schon mit drin. Nur Schwimmen kostet drei Euro. Dass die Städte im Einzugsbereich seiner Therme Schwimm- und Bademöglichkeiten anbieten, findet Stork auch ganz in Ordnung. „Aber muss auch noch eine Saunalandschaft und ein Gastronomiebereich dazu?“, fragt der Geschäftsführer und bezweifelt, dass die Städte die Qualifikation haben, solche Bäder zu betreiben.

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