Ehrenamtliche Helfer sortieren Ware

Im Oberurseler Anzieheck gibts Kleidung für Bedürftige

+
Helene Netz, Inge Weber, Hildegard Hof, Christel Fickert, Erika Dieckmann und Vera Wendland (von links) beim Sortieren der ersten Kleidungsladung des Tages.

Oberursel – Ohne sie würde im Anzieheck nichts funktionieren. Die 30 ehrenamtlichen Helfer die gespendete Klamotten sammeln, zusammenlegen und sortieren. Auch Haushaltsgeräte, Möbel und Kinderspiele gehören zum Angebot. Von Dirk Beutel

Manche der Helfer sind seit der Gründung der ökumenischen Einrichtung dabei. Und das, weil sie einfach nur helfen wollen.

Lesen Sie auch:

Arme in der Weihnachtszeit

Jeder Stich hilft einem Tier

Kaum zu glauben, aber im reichsten Landkreis Deutschlands gibt es arme Menschen. Das bestätigen nicht nur die steigenden Bedürftigenzahlen bei den Tafeln oder der Bericht zur sozialen Lage im Hochtaunuskreis, das merken auch die ehrenamtlichen Helfer im Oberurseler Anzieheck in der Hohemarkstraße 27. „Bis zu 60 Menschen besuchen uns mittwochs und samstags“, sagt die Gemeindereferentin der katholischen St. Ursula-Pfarrei Sandra Anker. Sie nennt die Menschen, die dort nach Kleidung suchen, Kunden. Doch es sind keine herkömmlichen Kunden. Denn diese Menschen könnten sich die Sachen in einem normalen Geschäft gar nicht leisten.

Im Anzieheck gibt es fast alles

Seit 40 Jahren gibt es das Anzieheck. In seinem Sortiment finden sich gespendete Kleidung, Spielzeug, Möbel und Haushaltsgeräte, wie Waschmaschinen, Gläser, Besteck. Alles in gutem Zustand versteht sich. Umsonst sind die Waren allerdings nicht. Nach einer eigens erstellten Tabelle berechnet Helferin Inge Weber welchen Obolus die Kunden entrichten müssen. Socken kosten 50 Cent, eine Bluse 2 Euro, ein Paar Schuhe 3 Euro, ein Anzug fünf Euro, ein Bettlaken einen Euro. „Wir haben auch richtig gute Sachen dabei. Hemden von Hugo Boss, nagelneue oder kaum getragene Schuhe von namhaften Herstellern sind keine Seltenheit“, sagt Helferin Erika Dieckmann.

Zu den 29 Helferinnen und dem „Quotenmann“ kommen Menschen aus jeder Schicht. Familien, alleinerziehende Mütter, Aufstocker, Hartz-IV-Empfänger. „Wir überprüfen nicht die Einkommensverhältnisse. Wir sind eine offene Einrichtung. Jeder, der hierher kommt, ist auf seine Art bedürftig“, sagt Anker. Wer einen Oberursel-Pass besitzt, bekommt sogar 50 Prozent Nachlass.

Nicht nur Helfer, sondern auch gute Zuhörer

Aber die Idee des Anziehecks würde nicht funktionieren, wenn es nicht die Helfer gebe. Sie kümmern sich nicht nur um die gespendeten Waren. Sie sind auch die guten Seelen, die jedem, der es möchte, ein offenes Ohr für dessen Sorgen leihen. So wie die 84-jährige Helene Netz und die 77-jährige Christel Fickert, die seit Anfang an dabei sind. „Früher hatten die Menschen nach dem Krieg ja wirklich gar nichts mehr. Wer ein Hemd zuviel hatte, gab es dem, der nichts zum Anziehen hatte. Und so ist das hier gewachsen“ sagt die 84-jährige Netz. Und seither sind es immer mehr Bedürftige geworden. Aber der Antrieb, der die Engel aus der Hohemarkstraße jede Woche antreibt, ist nach wie vor der gleiche geblieben: „Wir wollen einfach nur helfen“, sagt Netz.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare