Immobilienmakler mit Herz

Makler verhilft zur behindertengerechten Wohnung

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Einfach nur dankbar: Andrea Ulmer gibt Immobilenmakler Siegfried Berschet die Hand.

Mühlheim/Obertshausen – Man kann über Immobilenmakler vieles denken. Einer mit einem großen Herz ist Siegfried Berschet. Er bot der ProArbeit in Dietzenbach sogar an, auf seine Makler-Courtage zu verzichten, damit die Andrea Ulmer endlich eine behindertengerechte Wohnung bekommt. Von Norman Körtge

Bereits seit 2008 sucht Andrea Ulmer eine barrierefreie Erdgeschoss-Wohnung. Ihre Tochter Kerstin, mittlerweile 13 Jahre alt, ist seit der Geburt von der Hüfte abwärts gelähmt. Spina bifida heißt die Fehlbildung, die sie an den Rollstuhl fesselt. Jeden Tag trägt die zierliche, alleinerziehende Mutter von vier Töchtern, Kerstin im Schnitt zweimal rauf, und zweimal runter in den ersten Stock der Wohnung in der Lämmerspieler Straße in Mühlheim. „Ich habe immer wieder nach Wohnungen gesucht, Annoncen aufgegeben, aber alles ohne Erfolg“, erzählt sie. Als Hartz-IV-Empfängerin habe man nur wenig Chancen auf eine barrierefreie Wohnung. Die Frustration war groß.

ProArbeit lehnt zunächst ab

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Umso größer allerdings die Freude, als Immobilienmakler Siegfried Berschet ihr in der Ludwigstraße in Obertshausen eine passende Wohnung anbieten kann. „Ich war begeistert“, erzählt sie. Der Vermieter sagte sogar zu, eine kleine Rampe am Hauseingang zu bauen.

Doch dann kam der Schock. Die ProArbeit lehnte die Wohnung ab. Sie sei zu teuer. Unverständlich: Denn in Mühlheim bezahlte das Amt 860 Euro Warmmiete, in Obertshausen wären es 750 Euro, also 110 Euro weniger.

„Ich habe mir nur gedacht, dass kann doch nicht wahr sein“, sagt Makler Berschet: „Wie kann man das nur ablehnen?“ Für den Obertshausener war das einfach nicht gerecht. Er rief selbst bei der ProArbeit in Dietzenbach an, und stellte eine Frage und macht ein Angebot.

Verzicht auf Provision angeboten

Die Frage: „Was würden sie sagen, wenn Sie ihre 13 Jahre alte Tochter jeden Tag in den ersten Stock tragen müssten?“ Das Angebot: „Wenn es hilft, verzichte ich auf meine Makler-Courtage.“ In diesem Fall immerhin 1200 Euro plus Mehrwertsteuer.

Beides zeigte Wirkung. Die ProArbeit genehmigte die Wohnung. Und Berschet einigte sich mit dem Amt, dass es nur 1000 Euro plus Mehrwertsteuer an ihn zahlen muss.

Nach Auskunft von ProArbeit-Sprecher Ralf Geratz-Krambs war es in der Tat so gewesen, dass der Sachbearbeiter zunächst die Wohnung ablehnen musste, da die Mietkosten über dem Regelsatz lagen. Aber die Mitarbeiter wussten nicht um die Situation von Ulmer. Darauf habe sie erst der Makler hingewiesen. Dass dieser auf einen Teil seiner Courtage verzichtet, habe das ganze erleichtert, so Geratz-Krambs.

Andrea Ulmer jedenfalls ist glücklich: „Herr Berschet hat das Herz an der richtigen Stelle.“ Auch Tochter Kerstin freut sich. Für sie bedeutet die barrierefreie Wohnung viel mehr Selbstständigkeit.

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