Oberschlaraffe lüftet das Geheimnis um den Bund

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Uwe Wesp , vielen bekannt als ehemaliger ZDF -Wetterfrosch mit der Fliege, gehört zum Vereinsvorsitz und ist somit Oberschlaraffe

Frankfurt – Die Frankfurter Schlaraffen treffen sich in ihrer Burg in Oberrad, begrüßen einen Uhu und rufen „Lulu“ wenn sie sich freuen. In den Männerbund können Fremde nicht einfach eintreten. Oberschlaraffe und Ex-ZDF-Metereologe Uwe Wesp weiht den EXTRA TIPP in die Gebräuche des vermeintlichen Geheimbundes ein. Von Angelika Pöppel

Wenn die Schlaraffen ihre Burg, den ehemaligen Oberräder Bahnhof betreten, tauchen sie in eine andere Welt ein. Sie tragen ihre Rüstung – einen Leinenumhang – verneigen sich vor einem ausgestopften Uhu und sprechen ihre eigene Sprache. Sie trinken kein Bier, sondern „Quell“ und ziehen nicht an der Zigarette, sondern an der „Luntete“.

Frauen sind verboten

„Alles verläuft nach ganz klaren Regeln“, sagt Uwe Wesp von der Schlaraffia Francofurta. Dazu gehört, dass Frauen verboten sind. Auch Männer können dem Bund nicht einfach beitreten. Sie müssen von einem Mitglied vorgeschlagen werden. Dann folgt eine Art Bewerbungsgespräch. Gäste werden speziell begrüßt – mit mächtigem Getöse und Holzschwerter-Geklacker.

Hinter der Fassade des ehemaligen Oberräder Bahnhofs verbirgt sich ein prunkvoller Saal – der Versammlungsort der Frankfurter Schlaraffen.

Im Schlaraffenkreis werden die Mitglieder vom Pilger, zum Prüfling und vom Knappen zum Junker. „Der Ritterschlag ist das größte Erlebnis im schlaraffischen Dasein“, sagt Taifun. So wird der Ex-Metereologe Wesp unter den Schlaraffen genannt. Jedes Mitglied trägt einen Namen, der zu seinem Charakter passt. Auch die Sitzordnung an der ritterlichen Tafel ist fest vorgeschrieben. Ihre mittelalterlichen Rituale befremden Außenstehende: „Wir werden oft als Geheimbund bezeichnet. Das liegt daran, dass wir nicht gerne an die Öffentlichkeit gehen und die Leute es nicht besser wissen“, sagt der Oberschlaraffe.

Seit 42 Jahren ein Schlaraffe

Schauspieler und Poeten gründeten die Schlaraffia bereits vor 126 Jahren. In der Nazi-Zeit wurde der Verein verboten. Heute sind rund 300 Vereine auf der ganzen Welt verteilt von Südamerika bis Thailand. Und überall wird deutsch gesprochen.

Auch wenn das Wort Schlaraffe „sorgloser Genießer“ bedeutet, haben sie mit übermäßigen Bierkonsum und Völlerei nichts zu tun. Die Mitglieder verbringen zusammen einen Abend mit Vorträgen, Musik und angeregter Unterhaltung. „Wir pflegen einen tiefgründigen Humor, der zum Schmunzeln anregt“, sagt Wesp, der seit 42 Jahren ein Schlaraffe ist. Und stellt klar: „Wir sind auch kein Karnevalsverein.“ Hauptziel des Vereins ist es Freundschaften zu schließen.

Dazu dient auch ihr Erkennungsmerkmal, der Uhu. Genauso wie eine Anstecknadel mit einer weißen Perle, die Schlaraffen im Alltag sichtbar am Hemd oder der Anzugsjacke tragen: „So erkennen wir uns sofort und lernen auch in anderen Ländern Schlaraffen kennen.“

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