Ein Jahr nach der Wahl:

OB Feldmann: „Einflüsse sind nun gerechter verteilt“

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Oberbürgermeister Peter Feldmann (links) im Gespräch mit Redaktionsleiter Axel Grysczyk.

Frankfurt – Am Montag vor einem Jahr ist Oberbürgermeister Peter Feldmann ins Amt gewählt worden. Mit EXTRA-TIPP-Redaktionsleiter Axel Grysczyk und Redakteur Christian Reinartz sprach er darüber, wie Frankfurt in sechs Jahren aussehen wird, und warum nun auch ärmere Stadtteile mehr Gewicht haben.

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Sie wollen Oberbürgermeister aller Frankfurter sein. Haben sie das Vorhaben umsetzen können?

Absolut. Vor allem habe ich darauf geachtet, dass viele, die sich bisher ausgegrenzt gefühlt haben in Entscheidungsprozesse hineingenommen wurden. Menschen aus Siedlungen, Hochhäusern, auch Migranten und alle Menschen denen der soziale Zusammenhalt wichtig ist. Ich lege Wert darauf, dass alle ihren OB für ihre Anliegen nutzen können.

Es gibt Kritiker, die sagen, dass sie mit Vorliebe Termine mit SPD-Klientel aufsuchen.

Wenn sie inzwischen die Operngala, die Senckenberg-Night, das Städel, die Schirn, die alte Oper als SPD-Klientel-typisch bezeichnen, freue ich mich. Die Realität ist leider eine andere, aber ich bin auch bei diesen Veranstaltungen gerne.

Kann man, indem man stur sein Programm abarbeitet eine Metropole wie Frankfurt regieren? Oder muss man da mehr managen und netzwerken?

Beides gehört zusammen. Die Menschen, die mich gewählt haben, haben das Recht, mich beim Wort nehmen zu können. Wenn ich vor der Wahl der bin, der gegen Kinderarmut kämpft, der für Senioren eintritt, der bei der Frage Fluglärm in den Diskurs reingeht, im Wohnungsbau Akzente setzt, dann muss ich das nach der Wahl mit einer klaren Positionierung liefern. Sonst wäre ich ein Allerweltspolitiker. Natürlich werden auch viele andere Themen auf mich zubewegt, und damit muss ich mich auch regelmäßig beschäftigen.

Haben denn die bisher wichtigen Personen der Stadt jetzt weniger Einfluss?

Ich glaube, dass die Einflüsse auf die Stadt nun gerechter verteilt sind. Ob arme Stadtteile oder das Westend – alle finden eine offene Tür vor. Viele Menschen sind durch diesen Stil irritiert. Mein Gefühl ist, dass die Menschen verstehen, dass es um ein Plus geht, und nicht darum, gegen die bisherigen Strukturen zu sein. Die Menschen erleben es als etwas Schönes, wenn die Stadt zusammenwächst. Das ist gerade in schwierigen Zeiten wichtig.

Was hat sich denn konkret – etwa beim Thema Fluglärm – seit der Wahl geändert?

Es gibt einen komplett neuen Umgang mit dem Thema. Bisher hat sich die Stadt enthalten. Jetzt wissen die Menschen im Frankfurter Süden, dass im Rathaus jemand sitzt, der ihre Haltung offen unterstützt.

Zur Wohnsituation. Wir hatten über die Mietlagenzuschläge in Bockenheim berichtet. Da können sie doch nichts ändern.

Ich kämpfe dafür, diese Lagenzuschläge wieder herauszunehmen und den Altbestand bei der Preisfindung mitzurechnen. Es dürfen nicht nur die Miethöhen der vergangenen vier Jahre zur Berechnung genutzt werden, um zu einem realistischen Mietpreisniveau zu kommen. Wir liegen jetzt schon auf dem zweiten Platz hinter München. Da muss ich auf die Bremse treten.

Schlaucht sie die OB-Arbeit?

Es ist extrem stressig. Aber es ist angenehmer Stress, den ich gegen nichts eintauschen würde. Das Schöne ist, ich kann meine Arbeit selbstbestimmter machen. Das ist für mich eine beglückende Situation. Es gibt keinen schöneren Job als Oberbürgermeister von Frankfurt zu sein.

Wenn sie in vielen Jahren nicht mehr Bürgermeister sind, könnte ein Platz oder Gebäude nach Ihnen benannt werden. Welches würde passen?

Eine Benennung mit meinem Namen ist mir völlig unwichtig. Was mir aber wichtig ist, sind beispielsweise generationsübergreifende Wohnprojekte. Wenn man diese mit mir irgendwann in Verbindung bringen würde, wäre ich stolz. Dafür braucht es aber keine Benennung.

Bitte vervollständigen sie folgende Sätze: Mit mir wird die SPD in Frankfurt...

...Mehrhreitspartei werden und sich stark profilieren. Das soziale Profil muss mit glaubhaften Projekten unterlegt werden. Dann beginnen die Menschen zu verstehen, dass sich wirklich etwas ändert.

Mir ist die Kultur wichtig, weil sie in dieser Stadt...

...auch der emotionale Zusammenhalt ist, der Frankfurt voranbringt. Hierfür steht die Kultur.

Dank meiner Arbeit wird es in sechs Jahren...

...mehr Wohnungsbau geben. Dazu ein gleichberechtigtes Umgehen mit den Bürgerinitiativen gegen Fluglärm, neue Angebote für preiswertes Mittagessen und Hausaufgabenhilfen in allen Stadtteilen, in denen Kinder benachteiligt werden. Und Frankfurt wird seine wirtschaftlichen Stärken ausgebaut haben.

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