Am Nikolaustag wollen alle nur einen haben: Andreas Bohn!

Von Norman KörtgeOffenbach - Andreas Bohn wohnt in Offenbach-Rumpenheim. Er ist 29 Jahre alt, von kräftiger Statur und arbeitet normalerweise in einem Callcenter.

Doch in den nächsten Wochen wird er fast täglich seinen roten Mantel anziehen, sein Gesicht hinter einem weißen Rauschebart verstecken und mit Sack und Rute losziehen. Dann ist er der Nikolaus.

6. Dezember, 18 Uhr. An diesem Tag, zu dieser Uhrzeit könnte sich Andreas Bohn jedes Jahr dutzendfach teilen. "Den Termin wollen fast alle", erzählt der Rumpenheimer. Da aber seine Nikolaus-Dienste in Offenbach und Umgebung sehr gefragt sind, müssen Kompromisse getroffen werden. Mit diesen kommt der 29-Jährige alleine am 5. und 6. Dezember auf knapp 30 Auftritte. Bis Heiligabend werden es wahrscheinlich insgesamt mehr als 50 Termine in Familien, bei Vereins- und Firmenfeiern sein.

"Ein paar Termine bekomme ich aber noch unter", meint Bohn und löst damit bei seiner Mutter Hanne ein Aufstöhnen aus. "In den letzten Tagen hat das Telefon nicht mehr stillgestanden", berichtet sie. Die 55-Jährige nimmt die Anrufe auf der Nikolaus-Hotline Tel.:  (069)   83838105 entgegen.

"Anfang November kam nichts. Jetzt hat plötzlich der große Ansturm begonnen", erzählt Hanne Bohn: "Die Leute wissen doch, dass der Nikolaustag jedes Jahr am 6. Dezember ist. Das ist doch nicht überraschend", appelliert sie an eine frühzeitige Planung. Einige Stammkunden würden immerhin schon Ende Oktober ihre Termine ausmachen.

Nichtsdestotrotz versucht Andreas Bohn auch die jetzt noch ankommenden Anfragen zu erfüllen. Dann heißt es, mit den Terminen zu jonglieren - da fünf Minuten früher hingehen, dort zehn Minuten später erscheinen.

Für Bohn ist die Adventszeit, trotz des selbst gewählten Termindrucks, eine schöne Zeit. "Mir macht das Spaß und ich fühle mich auch richtig als Nikolaus", erzählt er.

Seine Mutter andererseits ist froh, wenn die Terminplanung vorbei und einige Monate Ruhe ist. "Als er noch keinen Führerschein hatte, mussten wir ihn ja überall hinfahren", erzählt sie. Denn Andreas Bohn spielt schon seit 15 Jahren den Nikolaus. "In meinem ersten Jahr habe ich den roten Bademantel von meiner Mutter genommen", erinnert er sich. Damit ging es zu den Nachbarskindern. Mittlerweile hat er sich allerdings ein richtiges Kostüm zugelegt.

Am meisten macht es ihm Spaß, wenn in Familien noch richtig der Nikolaustag gefeiert wird. "Wenn Oma und Opa dabei sind und gemeinsam Lieder gesungen werden, dann ist es auch für die Kinder ein unvergesslicher Augenblick", ist er sich sicher: "Viele glauben noch an den Nikolaus." Verändert hat sich im Laufe der Zeit die Menge der Geschenke. "Manchmal sind es so viele, dass sie gar nicht in meinen Sack passen. Dann sage ich immer, dass ich noch mal raus zum Schlitten muss", erzählt er.

Natürlich passieren auch Pannen. Seine bisher größte ereignete sich vor drei Jahren. Nach einem Nikolaus-Besuch in Obertshausen streikte das Auto. Zum nächsten Termin in Hausen war es nicht weit. Da konnte Bohn noch im Laufschritt hinkommen. "Zum Glück hat mich der dortige Vater zum nächsten Auftritt nach Heusenstamm gefahren", führt er aus. Doch dann musste er schnell zurück nach Offenbach. Er versuchte es per Anhalter. Und tatsächlich: Ein älterer Mann, der an den Nikolaus glaubte, nahm ihn mit.

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