Nikolaus-Darsteller Klaus Walther im Interview

Das wünscht sich der Weihnachtsmann zu Weihnachten!

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Klaus Walther verkleidet sich seit 50 Jahren als Nikolaus, seit 30 Jahren ist er auch als Santa Claus unterwegs.

Seit Jahrzehnten sorgt er als Nikolaus und Santa Claus für strahlende Kinderaugen: Klaus Walther, Vorsitzender des Offenbacher Theaterclubs Elmar erzählt von Wünschen, Geschenken und was zur Weihnachtszeit das wichtigste sein sollte. Von Dirk Beutel 

Eigentlich soll man die Adventszeit nutzen, um zu entschleunigen und innezuhalten. Statt dessen sind die meisten gestresst und stehen unter Zeitdruck. Dazu noch der Kommerz. Kann da überhaupt noch so richtig Vorfreude auf den Heiligen Abend entstehen?

Vielleicht hat da der Nikolaus einen Ansatz: Dieser ganze alltägliche Stress, den wir haben, sollte man einfach beiseite schieben und zu sich selber sagen: Halt. Jetzt ist Weihnachtszeit. Ganz gleich welchen Glauben man hat, einfach die Möglichkeit auszunutzen, in dieser Zeit, über vier Kerzen hinweg, sich auf das Weihnachtsfest vorzubereiten. Jeder kann zurücktreten. Wir dürfen uns selbst nicht in uns verlieren, das machen wir das ganze Jahr über. Man nimmt sich Zeit für den Urlaub oder um gut Essen zu gehen, man kann sich auch etwas mehr Zeit als sonst nehmen, um in dieser Zeit für seine Familie da zu sein und runter zu kommen. Das sollte nicht untergehen.

Mal ehrlich: Gab´s dieses Jahr viele unartige Kinder?

Unartige Kinder gibt es nicht. Es gibt nur Kinder, die noch etwas lernen können.

Geschenke, Lichterglanz, Kinderlachen – was ist für Sie das Größte in der Weihnachtszeit?

Keine Frage: Strahlende Augen sind das Größte. Und dabei spielt es keine Rolle, ob jung oder alt. Gerade bei den Senioren, die wir besuchen, sieht man diese Seligkeit und die Freude an der Tradition, was Weihnachten eigentlich aussagt. Für die Kinder kommt noch hinzu, dass Weihnachten spannend ist. Was kommt auf mich zu? Was bringt der Nikolaus?

Wie erklären Sie den Kindern den Unterschied zwischen Nikolaus, Weihnachtsmann und Christkind?

Der St. Nikolaus, den ich ja vertrete mit seiner Geschichte aus Myra, ist ja festgelegt und ihn gab es wirklich. Und die Geschichte dieses heiligen Mannes der Nächstenliebe, der sich für die Kinder eingesetzt hat und für andere da war, lässt sich wunderbar vermitteln und erzählen. Ohne politischen Hintergrund kann ich auf die Menschen zugehen und ihnen mitteilen: Nehmt euch in die Arme, nehmt eure Kinder hoch, seid für einander da! Es ist nicht alles umsonst. Und der Nikolaus weiß auch, dass es Engel gibt. Sie müssen nicht unbedingt immer Flügel haben, trotzdem sind sie um uns. Wir müssen nur hinsehen.

Worin besteht für Sie der Unterschied zwischen der Figur des Nikolaus und der, des Santa Claus, in dessen Rolle Sie auch schlüpfen?

Santa Claus ist eine völlig andere Rolle. Da komme ich schon mal mit dem Motorrad direkt aus New York. Da ist schon mehr Show dabei. Aber sein Auftrag ist der gleiche: Nämliche Freude und Frieden bringen. Nikolaus ist eher derjenige, der die Weihnachtsgeschichte erzählt, während Santa Claus laut in die Welt ruft: Lasst uns singen und feiert dieses Fest! Ho ho ho!

Wie haben sich die Wünsche der Kinder verändert?

Alle Kinder sind fantastisch. Die einen bekommen halt mehr von den Eltern, die anderen haben aber genauso strahlende Augen. Was mir aber auffällt ist, dass Eltern, Großeltern, Freunde und Bekannte es mit den Geschenken etwas zu gut meinen. Zum Teil werden die Kinder überhäuft und damit überlastet. Ich könnte manchmal schon Hilfe gebrauchen, um die Geschenke für nur eine Familie abzugeben. Man übertreibt ein bisschen. Aber dafür können die Kinder nichts.

Sehen Sie da ein Problem? Die Wünsche der Kinder werden ja mit zunehmendem Alter nicht kleiner?

Das glaube ich wiederum nicht. Das wird sich irgendwie kompensieren. Es ist nicht so, dass wenn ein Kind dieses Jahr fünf Geschenke bekommt, dann nächstes Jahr 15 Geschenke verlangt. Ich denke, nicht jeder muss dem Kind etwas schenken. Man kann auch zusammen legen, oder auch nur eine Kleinigkeit geben. Die Erwachsenen sind ja untereinander selbst drauf gekommen lieber zusammen schön Essen zu gehen, anstatt sich etwas zu schenken. Irgendwann werden die käuflichen Geschenke wieder kleiner und man rückt lieber etwas mehr zusammen.

Was sagen Sie Kindern, deren Wünsche nicht in Erfüllung gegangen sind?

Kinder, die einen persönlichen Wunsch haben, wie dass die Mutter oder der Vater sich nicht mehr so oft streiten und sich wieder lieb haben sollen, oder dass die Oma wieder gesund werden soll, tragen mir die Kinder nicht vor. Aber ganz gleich, um welchen Wunsch es sich handelt, er kann in Erfüllung gehen.

Seit 50 Jahren sind Sie als Nikolaus unterwegs. Gab es schon mal Situationen, die Sie ins Schwitzen gebracht haben oder die unangenehm waren?

Eigentlich nicht. Aber zusammen mit einem guten Freund von mir sind wir am Anfang auch in die Altenheime gegangen und das war gar nicht so einfach für mich. Als Nikolaus sind wir speziell zu den Bettlägerischen gegangen und haben sie an die Hand genommen, mit ihnen gesprochen. Und da hat mich eine Frau gefragt, ob sie denn schon im Himmel sei. Ich antwortete ihr, dass der liebe Gott für sie da ist und sie auf ihrem Weg nicht alleine ist. Es war eine schöne Erfahrung, weil es zeigt, wie wichtig es ist, nah an den Menschen zu sein und sich etwas Zeit für sie zu nehmen. Für die Kinder wie für die Alten. Anfangs habe ich noch meine weißen Handschuhe angehabt, aber das war ein komisches Gefühl, bis ich sie nicht mehr mitgenommen habe. Ich wollte die Hand und den Menschen spüren.

Macht es Sie traurig, wenn schon kleinste Kinder nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben?

Gar nicht. Es ist ja nur eine Geschichte und die verkünde ich. Ich sage ja auch nicht: Ich bin der St. Nikolaus oder Santa Claus, sondern ich bringe euch Grüße und stelle denjenigen dar. Es ist immer verkehrt, wenn man einem Kind etwas vormacht.

Was wünscht sich eigentlich der Weihnachtsmann zu Weihnachten?

Banales: Ich hoffe, dass die Menschen näher zusammen rücken, egal welchen Glaubens, damit wir Frieden auf Erden finden. Und dass wir die Weihnachtstage in einer besinnlichen Ruhe mit unseren Familien und Freunden erleben können.

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