Kaum einer will in die Geister-Hochhäuser

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Die ehemaligen Siemensgebäude (dunkelgrüne Fensterverkleidung) am Kaiserlei-Kreisel stehen seit mehreren Jahren leer.

Offenbach – Es sind die Geisterhäuser der Neuzeit: Leer stehende Bürokomplexe. Vor allem in den siebziger Jahren errichtete Hochhäuser stehen leer, sind kaum noch zu vermieten. In Offenbach rottet etwa die  Ex-Siemens-Gebäude vor sich hin. Von Norman Körtge

Die Tage des rund 70 Meter hohen Büroturms in der Neu-Isenburger Innenstadt sind gezählt. Das Mitte der siebziger Jahre am Neu-Isenburg-Zentrum hochgezogene Gebäude stand schon seit längerer Zeit leer. Keiner wollte mehr in den Betonklotz ziehen. Seit Anfang der Woche hält der Eigentümer nun die Abrissgenehmigung in den Händen. Noch in diesem Jahr soll damit begonnen werden, das Hochhaus Stockwerk für Stockwerk bis auf das erste Obergeschoss abzutragen.

Während in Neu-Isenburg ein innerstädtischer Schandfleck verschwindet, rotten am Offenbacher Kaiserlei-Kreisel die ehemaligen Siemens-Gebäude vor sich hin. Seit mehr als sieben Jahren. Nicht gerade ein schöner Anblick am Ortseingang. „In letzter Zeit hat es wieder intensiverer Gespräche gegeben“, berichtet hoffnungsvoll Jürgen Amberger, Leiter der Offenbacher Wirtschaftsförderung und verweist auf den Eigentümer, die Allianz Real Estate in München. Doch die hat nach wie vor keine Entscheidung getroffen. Es gibt zwei Varianten: Entweder Abriss und Neubau oder eine grundlegende Sanierung. Aber genaueres vermag Unternehmenssprecher Roland Deger derzeit nicht zu sagen.

Auf der anderen Seite der A661 steht ebenfalls ein Betonklotz aus den Siebzigern. Die ehemalige Zentrale des Deutschen Wetterdienstes, der 2008 in einen Neubau an der Frankfurter Straße zog. Für das alte, 16-stöckige Gebäude in der Kaiserleistraße hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben nun eine Entscheidung getroffen. „Das Hochhaus wird im November bundesweit zum Verkauf ausgeschrieben“, teilt Klaus Ambrecht von der Bundesanstalt mit. Von da an können Angebote für die Immobilie abgegeben werden. Wie schnell sich für das unansehnliche Gebäude ein Käufer findet, vermag Ambrecht nicht zu beurteilen.

City-Tower steht zur Hälfte leer

Der hochmoderne City-Tower in Offenbach ist nur zur Hälfte vermietet.

Besser stehen die Chancen laut Offenbacher Wirtschaftsförderung, dass in dem ebenfalls in der Kaiserleistraße befindliche ehemalige Golden-Tulip-Hotel bald wieder Gäste übernachten werden. „Da hat es in der Vergangenheit schon häufiger Wechsel gegeben“, sagt Uwe Wagner, der darauf setzt, dass schon bald eine andere Hotelkette das größte Offenbacher Hotel-Gebäude übernimmt. Vor einem Jahr hatte die alte Betreibergesellschaft Insolvenz angemeldet.
Dass Leerstände aber nicht nur etwas mit dem Alter der Immobilie zu tun haben, zeigt der City-Tower, mit 120 Metern Offenbach höchstes Gebäude. In dem 2003 fertig gestellten Wolkenkratzer gibt‘s noch jede Menge freie Bürofläche. Etwa die Hälfte soll nach wie vor leer stehen, heißt es in Branchenkreisen. Von Corpus Sireo, der Vermieter-Gesellschaft für den Prestigebau, heißt es, dass in letzter Zeit einige neue Mieter gefunden werden konnten. Zuletzt ein japanischer Reifenhersteller und eine Espresso-Bar. „Zudem planen einige bestehende Mieter, ihre Flächen zu erweitern“, berichtet PR-Managerin Yvonne Hoberg. Die Nachfragesituation sei gut. Vor allem Unternehmen aus dem Kreis Offenbach würden sich für das Gebäude interessieren.
Optimistisch schaut auch Wirtschaftsförderer Wagner in die Zukunft. „Die Nachfrage hat wieder angezogen“, sagt er und begründet das mit dem Wirtschaftsaufschwung. Darüber hinaus steht Offenbach mit einer Leerstandsquote von knapp zehn Prozent noch relativ gut da. In Frankfurt seien es 15 Prozent.

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