Niemand will Flüchtlinge

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Soll geschlossen werden: Das Flüchtlingsheim An den drei Hasen in Oberursel. Doch noch immer gibt es nicht genug Ersatz-Unterkünfte. Die fehlen auch im Main-Taunus-Kreis.

Taunus – Wohin mit den Asylsuchenden? Im Hochtaunuskreis wird seit langem nach neuen, passableren Unterkünften gesucht. Bislang ohne Ergebnis. Nun wird auch im Main-Taunus-Kreis nach Bleiben gesucht. Denn die Zahl der Asylbewerber steigt wieder. Von Julia Renner

345 Flüchtlinge leben derzeit im Main-Taunus-Kreis, 74 werden in den nächsten sechs Monaten hinzu kommen. Das hat das Regierungspräsidium Darmstadt beschlossen. Damit wird ein Trend fortgesetzt: Während 2009 insgesamt 252 Asylsuchende im Main-Taunus-Kreis lebten, waren es 2010 schon 309, 2011 dann 336.

Vor 2010, als immer weniger Flüchtlinge kamen, wurden nicht gebrauchte Unterkünfte geschlossen. Die fehlen jetzt, der Kreis sucht passende Immobilien. In Eppstein, Hochheim, Hofheim, Kelkheim, Liederbach und Sulzbach gibt es derzeit Unterkünfte. Neue sind geplant in Hochheim und Bad Soden.

In der Kurstadt gibt es bislang keine Bleiben für Flüchtlinge, ebenso wenig in Eschborn, Flörsheim, Hattersheim, Kriftel und Schwalbach.

Dass es für die Landkreise nicht leicht ist, passende Immobilien in den Kommunen zu finden, ist seit Längerem im Hochtaunuskreis zu beobachten. Das Flüchtlingswohnheim An den drei Hasen in Oberursel soll geschlossen werden. Eigentlich. Doch noch immer gibt es keine neuen Unterkünfte für die Menschen aus dem Heim. Die Kommunen seien nach wie vor aufgerufen, passende Gebäude zu melden, sagt Kreissprecherin Pamela Ruppert. Einige Gespräche mit Wohnungsinhabern würden geführt.

Im Main-Taunus-Kreis könnte sich ein ähnliches Problem anbahnen: „Der Kreis will den Kommunen nicht unterstellen, sie seien nicht bereit, Flüchtlinge aufzunehmen. In manchen Fällen gibt es jedoch Probleme, geeignete Objekte zu finden“, heißt es beim Kreis.

Der Ausländeranteil einer Kommune ist entscheidend für die Anzahl der Flüchtlinge, die aufgenommen werden müssen. Kelkheim beispielsweise muss 12,4 Prozent der in den nächsten Monaten neu ankommenden Flüchtlinge aufnehmen. Dort leben bereits jetzt 70 Asylsuchende. Hattersheim dagegen soll 10,7 Prozent aufnehmen – bisher hat die Stadt jedoch keinem einzigen Flüchtling eine Bleibe geboten.

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