Nicht aus der Bahn werfen lassen

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Ungleiches Duell: Die Deutsche Bahn will die Mietbus-Idee von Alexander Kuhr (blonde Haare), Ingo Mayr-Knoch (schwarzer Pullover) und Justin Liesenfeld gerichtlich zerstören.

Offenbach – Ihr erster Verhandlungstag endete nach eineinhalb Stunden. Das Ergebnis war ernüchternd. Trotz auswegloser Lage werfen die Macher der Offenbacher Mietbuszentrale nicht das Handtuch und nehmen eine neue Idee in Angriff. Von Andreas Einbock

Noch ist der ungleiche Kampf gegen den Riesen Deutsche Bahn nicht beendet. Vier Wochen Schonfrist durch eine so genannte Schriftsatzverlängerung hat die Richterin am Frankfurter Landgericht am Freitag vor einer Woche den Jungunternehmern, die in der Offenbacher Heyne-Fabrik ihr Büro haben (der EXTRA TIPP berichtete am 5. September 2010), genehmigt. Der zweite Prozesstag ist für den 21. Januar 2011 angesetzt.

Dabei scheint der Staatskonzern mit seinen 30 Milliarden Euro Umsatz und 240.000 Mitarbeitern den falschen Weg gegen das inzwischen auf vier Mitarbeiter angewachsene Kleinunternehmen zu gehen. Alexander Kuhr: „Statt uns wegen Wettbewerbsverzerrung zu verklagen, müsste sich die Bahn eher gegen die Verwaltungsbehörde wenden.“ Die ist in ihrem Fall das Landratsamt Bodenseekreis in Friedrichshafen, das ihrem Unternehmen damals die Genehmigung erteilt hat.

Bahn spekuliert, dass die Firmengründer einknicken

Doch dieser Weg über die Verwaltungs- und Behördenebene würde zu lange dauern, vermutet Ingo Mayr-Knoch: „In einem ähnlichen hat sich ein Bahn-Prozess über sechs Jahre hingezogen.“ Stattdessen versucht es die Bahn nun direkt und spekuliert so darauf, dass die Firmengründer wegen der Anwalts- und Gerichtskosten, die sich auf etwa 10.000 Euro belaufen, einknicken. Wie ernst die Bahn das Verfahren nimmt, beweist der Umstand, dass der Staatskonzern mit vier Mitarbeitern im Gerichtssaal antrat und zum Abschluss der Verhandlung ein Angebot auf den Tisch legte. „Wenn wir unsere geplanten Fahrten noch abwickeln und keine neue Aufträge bearbeiten würden, hätten sie ihre Klage zurückgezogen“, so Kuhr.

Neues Angebot für Fußballfans geplant

Bei dem ganzen Rummel um ihr Unternehmen ist ihr neues Vorhaben in den Hintergrund gerückt. Kuhr: „Wir wollen den Fußballfans Busse für die Auswärtsspiele ihrer Teams anbieten. Das passt perfekt zu unserem Konzept.“ Viele Anfragen aus Offenbach und Frankfurt aber auch aus Hamburg, München und dem Ruhrgebiet haben sie auf diese Idee gebracht. Doch dazu werden sie erst nach der Winterpause kommen, vorausgesetzt die Bahn und das Gericht lassen es dazu kommen.

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