Neues Gesetz soll Kinder vor Missbrauch schützen

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Stefan Schäfer, Geschäftsführer des Frankfurter Kinderschutzbundes (links), und Prof. Dr. Ludwig Salgo.

Frankfurt – Missbrauch in Schulen, Vereinen und im Privaten: In den vergangenen Jahren sind immer wieder Fälle ans Licht gekommen. Die Bundesregierung hat daraus gelernt und will ein Kinderschutzgesetz auf den Weg bringen. Ein Frankfurter Professor wird als Sachverständiger im Bundestag dabei sein.

Einer der wichtigsten Punkte des geplanten Gesetzes: Wer künftig in der Kinder- und Jugendarbeit aktiv sein will, muss ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Und zwar nicht nur einmal, sondern regelmäßig. Prof. Dr. Ludwig Salgo von der Goethe Uni und der Fachhochschule weiß: „Wer pädosexuell veranlagt ist, sucht immer wieder Kontakt zu Kindern.“ Deshalb findet er diese Gesetzes-Passage sinnvoll, glaubt, dass Pädophile davon abgeschreckt werden könnten.

Beim Kinderschutzbund in Frankfurt ist die Vorlage des erweiterten Führungszeugnisses für Mitarbeiter und Ehrenamtliche längst gängige Praxis. Dass sich jemand dadurch angegriffen fühlt, hat Stefan Schäfer noch nie erlebt. „Die Leute finden das sogar gut,“ sagt der Geschäftsführer des Kinderschutzbundes.

Und noch etwas Grundlegendes könnte sich ändern, wenn das Gesetz durchgewunken wird: Berufsgeheimnisträger – beispielsweise Ärzte und Psychologen – dürfen künftig Informationen an das Jugendamt weitergeben. Allerdings nur, wenn gewichtige Anhaltspunkte wie der Verdacht der Misshandlung vorliegen und die Eltern nicht mit sich reden lassen. Sind sich die Geheimnisträger unschlüssig, können sie anonym mit einem Experten über den vorliegenden Fall sprechen und sich beraten lassen.

Kinderschutz geht alle an

Weiterer Bestandteil ist die Einrichtung von Netzwerken auf lokaler Ebene. „Es gibt bisher sehr wenige Kooperationen zwischen Schulen, Polizei, Jugendhilfe und Gesundheitsbereich“, kritisiert Ludwig Salgo. „Es ist einer der kardinalen Fehler, dass einer nicht über den anderen Bescheid weiß.“ Das soll sich ändern. „Es muss ein breites Bewusstsein geben, dass Kinderschutz viele angeht“, sagt Stefan Schäfer.

Weil viele Eltern mit der Erziehung ihres Nachwuchses überfordert sind, sollen die „Hilfen zur Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz“ ausgebaut werden. „Die meisten Todesfälle nach Misshandlungen im Kindesalter betreffen Säuglinge und Kleinkinder. Als eine der häufigsten Ursachen gilt das Schütteln des Babys“, sagt Schäfer. Viele Mütter und Väter wüssten nicht, dass man dies auf keinen Fall darf.

Im Rahmen der Frühen Hilfen können künftig Jugendamt und freie Träger allen Eltern Hilfe anbieten. Annehmen müssen die das Angebot allerdings nicht. „Aber wenn wir damit auch nur ein Kind retten, hat es sich schon gelohnt“, sagt Schäfer. jule

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