Neuer Freizeit-Trend

Schuhe aus, Socken aus und barfuß wandern!

Region Rhein-Main - Barfuß-Wandern ist der neue Trend. Dem Freiheits-Drang der Füße folgen immer mehr Menschen. Der EXTRA TIPP hat sich mit Hilfe eines Barfuß-Experten herangetastet. Von Axel Grysczyk und Oliver Haas

Bei einigen Taunus-Wanderklubs gibt’s keine Empfehlung, welche Strecken sich in unserem Wander-Wohnzimmer zum Barfußwandern eignen. Schließlich wolle man nicht dafür verantwortlich sein, dass sich die Schuhverweigerer blutige Füße holen. Der EXTRA TIPP hat bei Barfuß-Pionier Eduard Soeffker nachgefragt. Der 46-Jährige wandert seit 21 Jahren barfuß, hat schon einige Voralpengipfel ohne Schuhe bestiegen und ist Autor des Buches „Barfußwandern – Münchener Berge und Alpenvorland“. Er gilt in der Barfuß-Szene als Koryphäe und rät: „Erst langsam steigern. Wer jeden Tag barfuß läuft, bekommt nach drei bis vier Wochen eine Art Lederhaut unter den Füßen. Dadurch wird das Barfußlaufen weniger schmerzhaft.“

So testete der EXTRA TIPP das Barfußwandern

Wir testen im Wald. Schuhe aus und los. Erste Erfahrung: Breite Waldwege sind ungeeignet, weil sie oft mit kleinen Schottersteinen übersät sind. Das kann Soeffker bestätigen: „Trampel- und Wiesenpfade eignen sich bestens“, sagt er und erklärt: „Um Verletzungen vorzubeugen muss man den Boden im Auge zu behalten. Sich nur die Gegend anschauen – wie die Schuhwanderer – kann gefährlich werden. Hohes Gras würde ich immer meiden. Die Gefahr von Scherben oder Schlangen im Gebirge ist groß. Für den Notfall habe ich immer eine Pinzette für Dornen dabei. Eine Tetanus-Impfung ist Pflicht.“

EXTRA TIPP-Redakteur Axel Grysczyk ist barfuß im Wald unterwegs und berichtet über seine Erfahrungen.

Nächste EXTRA TIPP-Erfahrung: Es beginnt sofort ein Herumprobieren, wie man den Fuß am besten aufsetzt. Die Fußaußenkante ist robust, aber man fängt auch an zu eiern. Schon beim normalen Abrollen, wird sofort klar: Barfußgehen ist anstrengender. Experte Soeffker: „Es ist viel besser wenn der Untergrund nicht zu steinig ist – das Gewicht stärker auf den Vorderfuß zu verlagern und auch von dort an abzurollen. Schuhe hingegen machen das natürliche Laufen kaputt. Es gibt bei jedem Schritt einen Stoß in die Bandscheiben, die Gelenke werden zu viel belastet.“

Moos ist flauschig und macht süchtig

Unsere Erfahrung: Moos ist flauschig und macht schnell süchtig, Trampelpfade im Wald sind angenehm, Laub fühlt sich gut an. Auch wenn man dort höllisch aufpassen muss, weil nicht einsehbar ist, was unter dem Laub liegt. Barfußwanderer bekommen einen aufrechteren Gang. Es werden mehr Muskeln gebraucht und angespannt. Muskeln des Fuß- und Bewegungsapparates werden beansprucht und aufgebaut. Wer unter Fußpilz leidet, hat einen zusätzlichen Grund, die Schuhe wegzulassen, denn der entsteht nur in schwitzfeuchten Schuhen, beim Barfußlaufen ist der Fuß trocken.

Rückenleiden ging durch barfußlaufen weg

Es ist ein besonderes Gefühl. Anders, irgendwie frei. Man ist Exot. Jogger und zwei eifrig trainierende Nordic-Walker gaffen auf unsere entblößten Füße. Abends im Bett kribbelt es angenehm. Die Wadenmuskulatur ist stärker spürbar. „Ich hatte große Rückenprobleme. Als Jugendlicher bekam ich oft im Jahr Spritzen. Seit ich barfuß durchs Leben gehe, ist mein Rückenleiden weg.“ Bei uns ist der Ehrgeiz geweckt. Und wir spüren. Selbst ein kleiner Waldweg wird plötzlich ein Abenteuer. Das bestätigt auch Barfuß-Pionier Soeffker: „Ich wollte es immer ein Stück weiter schaffen, das war die Herausforderung.“ Der Jurist ist mit seiner Frau und fünf Kindern dann irgendwann nur noch barfuß im Alpenvorland auf neuen Pfaden unterwegs gewesen. „Die Kinder finden barfuß-laufen spannend und sind dafür eher zu begeistern, als für das herkömmliche Wandern“, sagt er. Für uns steht fest: Diesen Sommer werden häufiger die Schuhe weggelassen. Dann steigern wir uns, bis wir barfuß auf Strecke gehen können. Barfuß-Autor Soeffker drückt’s so aus: „Ist man ohne Schuhe unterwegs, spürt man anders. Die verschiedenen Untergründe und Temperaturen. Barfuß-Wandern ist ein Gefühl von Freiheit und macht süchtig.“

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