Neues Gesetz zur Wohnungssuche

Bestellerprinzip: Das sind die Tricks der Vermieter und Makler

+
Mieter sollten vom Gesetzgeber durch das Bestellerprinzip vor teuren Maklerzahlungen geschützt werden. Manche Vermieter suchen jedoch bereits Schlupflöcher.
  • schließen

Region Rhein-Main - Seit dem 1.Juni gilt das sogenannte Bestellerprinzip. Doch mehr als einen Monat danach zeigt sich: Einige Vermieter und Makler greifen zu Tricks, um die Kosten auf verstecktem Wege vom Mieter zurückzuholen. Von Oliver Haas 

Wohnungssuche ist nervenaufreibend und kostet viel Geld. Schön war die Nachricht für Mieter, dass sie durch das Anfang Juni eingeführte Bestellerprinzip nicht mehr den vom Vermieter beauftragten Makler bezahlen müssen. Laut Mieterschutzverein Frankfurt halten sich die meisten Makler und auch Vermieter an das neue Gesetz. Aber es wird auch zu folgenden Tricks gegriffen: Bei Besichtigungen werden potenzielle Mieter dazu gedrängt, dass sie ein Schriftstück unterzeichnen sollen, in dem hervorgeht, dass sie den Makler beauftragt hätten.

Mieter können bezahlte Gebühr zurückfordern

Rolf Janßen, Geschäftsführer des Mieterschutzvereins Frankfurt bestätigt solche Fälle, aber gibt gleichzeitig Entwarnung: „Der Mieter muss in diesem Fall keine Provision zahlen, selbst wenn er etwas Entsprechendes unterzeichnet hat. Mieter haben auch die Möglichkeit, die Vermittlungsgebühr zurückzufordern.“ Drei Jahre habe der Mieter dafür Zeit. So ein Vorgehen von Maklern kann als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro bestraft werden.

Lesen Sie auch:

Aufatmen: Maklerprovision entfällt tatsächlich

Viel subtilere Möglichkeiten hätten Vermieter, um die bezahlte Maklercourtage auf verstecktem Wege wieder vom Mieter zurück zu bekommen. „So lange die Mietpreisbremse in Hessen nicht gilt, können Vermieter bei Neuvermietung so viel Miete verlangen, wie sie wollen.“ In einem angespannten Wohnungsmarkt wie in Frankfurt seien die Mieten zwar sowieso schon sehr hoch, gleichwohl sei der Wohnungsmarkt weiterhin von den Vermietern dominiert. Gilt die Mietpreisbremse, dürften Vermieter bei der Wiedervermietung höchstens die ortsübliche Vergleichsmiete plus zehn Prozent fordern. „Aber bis dahin können die Vermieter einfach die Miete über einen längeren Zeitraum Stück für Stück so erhöhen, dass sie die Maklercourtage wieder heraus geholt haben.“

Makler und Vermieter probieren Masche mit Abstandszahlung

Auch mit einer Verwaltungsgebühr, die plötzlich in den Nebenkosten aufgelistet wird, könne der Mieter indirekt wieder die Maklerkosten für den Vermieter blechen. Und auch folgende Masche wird probiert: Vermieter hecken mit den Maklern im Vorfeld aus, dass höhere Abstände für Wohnungsmöbel und Küchen verlangt werden. Das gezahlte Geld fließt dann als Ausgleich für die hohe Maklercourtage in die Taschen der Vermieter. Doch auch hier können sich die Mieter wehren: „Es kann nur der Zeitwert plus 50 Prozent für Kaufgegenstände gefordert werden. Im Ernstfall muss ein Sachverständiger schätzen, wie viel die verkauften Möbel wirklich noch wert sind, und alles was darüber gezahlt wurde, muss an den Mieter zurückgegeben werden“, so Janßen. Doch auch dieser Anspruch verjährt nach drei Jahren.

Info zum Bestellerprinzip:

Zum 1. Juni wurde das Wohnungsvermittlungsgesetzes geändert, wonach fortan das Bestellerprinzip gilt. Das heißt, dass derjenige den Makler bezahlen muss, der ihn auch beauftragt hat. In der Regel ist das eine Provision in Höhe von 2,38 Monatskaltenmieten. Davor mussten dies oft die Mieter zahlen, auch wenn der Auftrag vom Vermieter kam. Für Immobilien- und Grundstückskäufe gilt die neue Regelung jedoch nicht.

Oliver Haas

Oliver Haas

E-Mail:oliver.haas@extratipp.com

Kommentare