Situation ist dramatisch

Kommen neue Flüchtlinge aus Eritrea wegen Hunger?

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Ein Bild einer Mutter mit ihrem unterernährten Kind hat uns Dr. Kibrom Tseggai aus dem Krankenhaus in Enghela geschickt.

Offenbach – „Das Wasser ist knapp. In der Hauptstadt fahren bereits Lkw mit Tanks umher und verteilen Wasser. Es sieht nicht gut aus“, sagt Heinz Schiedhering, Hilfskoordinator des EXTRA TIPP, zur Lage in Eritrea. Von Axel Grysczyk

Und wenn Schiedhering – der bereits Jahrzehnte hilft, vor Ort Projekte ankurbelt und immer wieder Großspender auftreibt – von „Problemen“ spricht, dann muss die Situation dramatisch sein.

Seit drei Jahren unterstützen der EXTRA TIPP und seine Leser die „Hilfe für Eritrea“ aus Heusenstamm mit Heinz Schiedhering an der Spitze. Er und zahlreiche weitere emsigen Unterstützer helfen dem ostafrikanischen Land seit 21 Jahren. Insgesamt sind bereits 45 Hilfscontainer nach Eritrea verschifft worden. Zudem bekommen zwei Krankenhäuser lebenswichtige Medikamente durch die Initiative. In den vergangenen Jahren pro Jahr im Wert von 25.000 Euro. Durch Spenden unserer Leser ist es auch möglich geworden, eine Kita und ein Ausbildungszentrum für Frauen zu bauen.

Tausende abgemagerte Kinder

Kommentar von Redaktionsleiter Axel Grysczyk zur Flüchtlingssituation in Eritrea

Doch jetzt schlägt Dr. Kibrom Tseggai vom Krankenhaus in Enghela Alarm. Es habe eine schlechte Ernte gegeben. Tausende Menschen würden hungern. Unterernährte Kinder kämen in das von „Hilfe für Eritrea“ unterstützte Krankenhaus und brächten abgemagerte Kinder zur Untersuchung.

Heinz Schiedhering hat Telefonate geführt und Eritrea-Flüchtlinge im Rhein-Main-Gebiet befragt: Auch sie bestätigen die schlechte Lage. Die Regenzeit sei sehr schwach gewesen. Im September – eigentlich noch ein Monat mit Regen – habe es gar keinen Niederschlag mehr gegeben. Schiedhering: „Die Dürre und der Hunger können weitere Gründe sein, das Land zu verlassen.“

Kaum Regen

Auch das Kindermissionswerk hilft direkt vor Ort. Claudia Schmeing, die Eritrea-Expertin der Organisation, bestätigt die schlechte Lage. „80 Prozent der Bevölkerung sind direkt von der Landwirtschaft abhängig“, erklärt sie. Da es kaum Regen gegeben habe, steigen die Preise für Grundnahrungsmittel um zirka 30 Prozent an. Das eigene Vieh wird verkauft, um an Geld zu kommen, aber auch, weil man es nicht mehr versorgen kann. Das wiederum führt dazu, dass die Vieh-Preise stark gesunken sind. Schmeing: „Wir beginnen über Gesundheitsstationen proteinreiches Pulver, sogenanntes DMK an untergewichtige Kinder sowie schwangere und stillende Frauen zu verteilen, um die größte Not zunächst zu lindern.“

Doch allein mit der Hochenergienahrung für Kinder werde der Hunger im ganzen Land nicht gelöst.

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