Nestlé, Goethe, Merian: City-Historiker kämpft um Gedenksteine in der City

+
Björn Wissenbach zeigt auf den Stein, der an Johann von Glauburg erinnert. Dessen Familie gehörte der Oberschicht Frankfurts an.

Frankfurt – Nach ihnen wurden Straßen, Plätze oder auch eine Universität benannt. Firmenimperien tragen ihren Namen. Merian, Textor, Glauburg, Goethe und Nestlé. Der Frankfurter Historiker Björn Wissenbach weiß kennt ihre Geschichte. Er kämpft um den Erhalt des Peterskirchhofes. Von Jennifer Dreher

„Ich habe gleich um die Ecke gewohnt. Und in der Zeit, als ich beim Historischen Museum ein Volontariat absolviert habe, fielen die Gedenksteine in dessen Zuständigkeit“, erinnert sich der 41-Jährige. Das ist acht Jahre her und seitdem hat sich auf dem Gelände an der Stephanstraße einiges getan. Die Mauern, die mit Efeu zugewachsen waren, sind heute frei und damit auch der Blick auf die unterschiedlich und zu großem Teil kunstvoll gestalteten Gedenksteine.

Der Bankier von Bethmann, von Metzler, Städel und von Grunelius liegen in der Erde des Peterskirchhofes. Auch weltweit bekannte Namen sind darunter: So die Grabstätten der Firmengründer der Weltkonzerne Nestlé und Imtech (Schiele). Ein gut erhaltenes Grab gedenkt dem Vater des großen Dichters Johann Wolfgang von Goethe. Das Grab seiner Frau, Goethes Mutter, befindet sich mitten auf dem Schulhof der Liebfrauenschule.

Wissenbach weiß, was hinter den Steinen steckt

Auf diesem Gelände vor der Peterskirche liegen zahlreiche bekannte Frankfurter.

„Allein die Steine verraten häufig nicht viel. Es bedarf Menschen, die ihre Geschichte dahinter erzählen“, sagt Wissenbach. Regelmäßig führt er Interessierte über das ehemalige Friedhofsgelände, das heute nur noch als Grünfläche gilt. Ein Teil des Problems, wie Wissenbach erklärt: „Es gibt keine klare Zuständigkeit für das ganze Gelände. Für die Flächen ist das Grünflächenamt zuständig, für die Mauern das Hochbauamt, für die Gedenksteine das Institut für Stadtgeschichte und für das Geschehen auf dem Gelände das Ordnungsamt.“
Doch auch Wissenbach selbst kümmert sich weiterhin um den Erhalt der Frankfurter Geschichte – auch auf ungewöhnliche Weise. „Ich habe sehr oft mit den Kindern der angrenzenden Kita Fußball gespielt, nur in eine Richtung, damit sie lernen, nicht die Gedenksteine ständig mit dem Ball zu treffen“, berichtet er.

Frankfurter sollen ihre Geschichte retten

Lesen Sie auch:

Polizei stürmt illegale Party in Geschäftshaus

Baustellen-Wahnsinn in Frankfurt

Polizei räumt Blockupy-Camp am Römerberg

Doch der Historiker nimmt auch die Frankfurter selbst in die Pflicht: „Die zentrale Botschaft meiner Führungen ist auch, dass sich die Frankfurter selbst um ihre Stadt kümmern sollen. Viele Traditionsfamilien sind ins Umland gezogen und wegen der Zuzugssperre in den 60ern nicht zurück gekommen. Es fehlt daher häufig an Menschen, die sich für den Erhalt geschichtsträchtiger Orte einsetzen. Wenn die Menschen diese aber entdecken, sollen sie ruhig selbst die Initiative ergreifen.“ So haben es einige Nachfahren der bekannten Frankfurter gemacht. Für mehrere hundert Euro ließ eine Nachfahrin der Familie Scharff deren Gedenkstein mit einem neuen Kreuz versehen. Ob durch solch einen gezielten Einsatz oder eine allgemeine Spende (siehe gelber Kasten): Wissenbach freut sich über jedes Engagement der Frankfurter.

Nächste Führung über den Peterskirchhof:

Bei der Nacht der Museen am Samstag, 7. Mai, um 20.30 Uhr. Eintritt frei. Taschenlampe mitbringen.

Spenden gehen an:

Historisch-Archäologische     

Gesellschaft Frankfurt am  

Main e.V.

Frankfurter Sparkasse

BLZ: 50050201

Konto: 326 674

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare