„Nee, dann kaufe ich mir lieber ein neues Fahrrad“

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Stopp! Fahrradkontrolle! Polizisten ermahnen einen Radler in der Parkstraße.

Offenbach – Donnerstag, 7.40 Uhr: Der 17-jährige Schüler hat es eilig. Er  will nicht zu spät zum Unterricht kommen. An der Kreuzung Bismarck-/Karlstraße ignoriert er mit seinem Rad die rote Ampel. Das kostet ihn an diesem Morgen nicht nur mehr Zeit, sondern auch 45 Euro. Von Norman Körtge

Denn eine Kreuzung später wird er von Polizisten freundlich aber bestimmt angehalten, die im Rahmen des landesweiten Präventionsprogramms „Zu Fuß und auf Reifen – Verkehr sicher begreifen“ gezielt Radfahrer auf ihre Verstöße aufmerksam machen. Hintergrund der Aktion sind die hohen Unfallzahlen. So gab es in Stadt und Kreis Offenbach 2010 bei 447 Unfällen mit Fahrradfahrern 71 Schwerverletzte und zwei Tote. Wie Pressesprecherin Andrea Ackermann ergänzt, sind die Unfallzahlen in Hessen zwar rückläufig, die Zahl der Toten ist aber gestiegen. Zu den häufigsten Unfallursachen zählen neben dem widerrechtlichen Benutzen der Fußgängerwegen, das Fahren gegen eine Einbahnstraße oder eben das Ignorieren einer roten Ampel.

Von Einsicht ist bei dem 17-jährigen Rot-Sünder allerdings nicht viel zu spüren. Es überwiegt der Ärger über die zu zahlenden 45 Euro. „Beim nächsten Mal achte ich mehr darauf, wer da alles so an der Kreuzung steht“, meint er und macht sich wieder auf den Weg zur Schule.

"Es ist dein Leben"

Dass bei den kontrollierten Radlern meist eher Unmut und Unverständnis nach dem Motto „Habt ihr nichts besseres zu tun?“ herrscht, damit hat sich Thomas Baier, Leiter der Offenbacher Verkehrsüberwachung, bereits abgefunden. Nachvollziehen kann er es aber nicht. Denn es geht um die Sicherheit. „Es ist dein Leben“, ermahnt er einen etwa 14-jährigen Schüler, der ihm in einer Einbahnstraße entgegenkommt.

Wie gefährlich ein nicht funktionstüchtiges Rad ist, demonstrieren die Polizeibeamten in der Karlstraße an dem Gefährt einer jungen Frau. Denn bei dem bereits in die Jahre gekommenen Rad funktioniert die Hinterradbremse nicht. „Wenn Sie plötzlich bremsen müssen, und nur mit dem Vorderrad bremsen, passiert das“, erklärt der Beamte und deutet einen Überschlag mit dem Rad an: „Das müssen sie reparieren lassen.“ Die Frau mit osteuropäischen Akzent hat einen bessere Idee: „Nee, dann kaufe ich mir lieber ein neues Fahrrad.“

"Hotpack" mit Drogen

Bei den 121 kontrollierten Radlern kommen aber auch andere Dinge zum Vorschein. So offenbart der Rucksack eines Mannes mit dem Aufdruck „Hotpack“ einen besonderen Inhalt: Eine kleine Menge an Heroin, Amphetaminen und den Ersatzstoff Subutex.

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