Der Name der Rose auf dem Parkett

Von Florian Gröschbr /Offenbach - Bollywoodfilme bestechen durch farbenfrohe Bilder, dramatisch-lustig-spannende Geschichten und des Öfteren durch Überlänge. Das mag auch an den Tanzszenen liegen, die zum guten Ton in den indischen Filmproduktionen gehören.

Von der Leinwand herab halten die Bollywood-Tänze nun auch Einzug in die deutsche Tanzkultur und mischen sie gehörig auf. Weil es "den" Bollywoodtanz nicht gibt. Ein Erfahrungsbericht.br /Zunächst übt Tanztrainerin Warda (rechtes Bild) mit den sechs Frauen ihres Einsteigerkurses noch einmal das in der vergangenen Woche Erlernte: Kombinationen allgemeiner Tanzbewegungen wie dem doppelten Hüftkick mit Drehung, Hüftdrop sowie diverse Grundschritte und -haltungen. Das gibt Gelegenheit, sich Schuhen und Jacke zu entledigen. Die Socken anzubehalten soll sich später noch als fataler Fehler erweisen. Orientalische Tänze werden traditionell mit nackten Füßen dargeboten, das verschafft mehr Halt auf dem oft rutschigen Parkett.br /Der Tanzsaal der Offenbacher Orient Academy ist in warmes Licht getaucht, bietet viel Platz und hat eine komplette Spiegelwand, die sämtliche Hoffnungen zerschlägt, wenigstens von einigen der Kursteilnehmer nicht gesehen zu werden.br /Bollywood, das ist dieses Kunstwort aus Bombay und Hollywood, das seinen Weg in die Popkultur des Landes gefunden hat und das Inder nicht besonders mögen. "Den Bollywoodtanz an sich gibt es eigentlich nicht", sagt Warda nach dem Kurs. Je nach Grad des Könnens, verknüpfen die Profitänzerinnen Schrittfolgen, Arm- und Hüftbewegungen, ja sogar verschiedene traditionelle Tanzstile miteinander. Ähnlich in den Filmen. "Es kommt auf die Ausrichtung des Filmes an", erklärt sie. Historienfilme werden mit entsprechend historischen Tanzbewegungen geschmückt, Modernes mit Modernem. Warda ist selbstverständlich ein Künstlername. "Das bedeutet ,die Roseâ??", sagt sie. Nach einem Moment des Nachdenkens fällt auf: der Name der Rose ist Rosa Dibowski.br /Vor dem Einsatz der Musik kommt ausgiebiges Schulterzucken. Warda kündigt an, mit dem Kurs den Bhangra Tanz, ein Volkstanz aus dem Norden Indiens, zu üben. Zunächst in einfach, schließlich in der doppelten Geschwindigkeit, als sie der Rhythmus vorgibt. Dazu: Ein seitlicher Schritt, Fuß heranziehen, Tip. Musik ab. Klappt ganz gut. Es folgt das Tippen mit dem rechten Fuß im Takt der Musik, das in die Luft heben der Arme, auch im Takt. Anschließend senken, dabei weiter mit dem Fuß auftippen und in doppelter Geschwindigkeit mit den Schultern zucken. Und immer wieder Richtungswechsel, nach rechts, nach links. Dann kommen die Socken ins Spiel. Den Sprung, den Warda vormacht, schaffen nur die barfüßigen Frauen, ohne dabei wegzurutschen. Hasta Mudra sind die dazugehörigen Handgesten, von denen ebenfalls noch einige in den Tanz eingebaut werden. Alapadma (aufgeblühte Lotusblüte) oder Hamsasya (Schwanengesicht) heißen sie.br /Es brächte Vorteile mit sich, zumindest der Ersatzschlagzeuger der Rolling Stones zu sein, schießt einem dabei durch den Kopf. Die einzelnen Bewegungen der einzelnen Körperpartien zu koordinieren fällt den Kursdamen offensichtlich leicht, Warda sowieso.br /Warda hat ihre ersten Tanzkurse im Alter von zwölf Jahren besucht. "Bei uns zu Hause lief oft orientalische Musik", erzählt die 26-Jährige. Wenn sie keine Kurse gibt, unterrichtet die studierte Sportwissenschaftlerin bei der FTG Frankfurt. Den Bollywood- Erfolg erklärt sie mit der Popularität Indiens und den vermehrten Ausstrahlungen im Fernsehen. "Ich schaue mir die Tanzszenen am liebsten an", sagt sie. Entsprechend hoch ist der Stapel mit Bollywood-DVDs bei ihr zu Hause.br /Der Kurs, den Warda gibt und der gegen Ende auch die Schweißperlen auf die Stirn treibt, ist jederzeit für Einsteiger offen. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.orient-academy.de

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