Was passiert mit Daten und Profilen im Netz?

Nach dem Tod von Jonathan Heimes: Bleibt sein Facebook-Profil?

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Nach dem Tod leben die Betroffenen vor allem in den sozialen Netzwerken im Internet weiter, wenn nichts anderes geregelt wurde und die Erben nichts dagegen haben.
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Region Rhein-Main – Vor knapp zwei Wochen ist der berühmte Fan des SV Darmstadt 98 Jonathan Heimes gestorben. Sein Facebook-Profil ist weiter aktiv. Wäre das in seinem Sinne? Experten verraten, wie man am besten mit dem digitalen Nachlass umgeht. Von Dirk Beutel

Jonathan Heimes zeigt sein bekanntes blau-weißes Armbändchen mit der Inschrift „Du musst kämpfen“.

Jonathan Heimes war eine Symbolfigur. Für Kampf. Für Willenskraft. Am 8. März erlag der 26-jährige Fan des SV Darmstadt 98 dann doch seinem Krebsleiden. Ein Schock für seine Familie, seine Freunde und die vielen tausend Fans, die sich im Laufe der Jahre rund um seine Aktion „Du musst kämpfen“ zugunsten krebskranker Kinder angesammelt haben. Viele davon sind immer noch mit Jonathan Heimes auf dessen Facebook-Seite befreundet. Was passiert aber mit dem Profil, das fast 5000 Freunde zählt und an den mutigen Heimes erinnert? „Es bleibt. so wie alles von ihm“, schreibt Facebook-Freundin Dani Gratenau voller Hoffnung. Doch ganz so klar ist die Sache nicht.

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Bei einer repräsentativen Befragung hat sich herausgestellt, dass 93 Prozent der Internetnutzer für den Fall ihres Todes den digitalen Nachlass nicht geregelt haben. Zudem geben 78 Prozent der Internetnutzer an, dass sie ihren digitalen Nachlass gerne regeln würden, ihnen dafür aber Informationen fehlen.

Im Todesfall bietet Facebook Möglichkeiten an

„Vor zehn Jahren hat kaum jemand von diesem Problem gesprochen. Jetzt, wo immer mehr Menschen in sozialen Netzwerken aktiv sind, wird es nach und nach zum Thema“, sagt Gesa Diekmann vom deutschen Digitalverband Bitkom. Bislang gehe die Mehrheit immer noch zu sorglos mit ihren Daten im Netz um. „Das Erbrecht ist zwar über 100 Jahre alt, aber sehr flexibel. Demnach erben die Nachkommen, wenn nichts Anderes geregelt ist, sämtliche Besitztümer und treten auch in die laufenden Verträge des Verstorbenen ein“, sagt Diekmann. Das gilt ebenfalls für Profile im Internet. Das Netzwerk Facebook bietet für den Todesfall verschiedene Möglichkeiten an: „Wenn Facebook darüber informiert wird, dass ein Nutzer gestorben ist, etwa von der Familie mit der Sterbeurkunde, so wird der Account zunächst aufrecht erhalten. Wenn es gewünscht wird, wird er in einen speziellen Gedenkzustand versetzt, damit es Freunden und Familie möglich ist, Kommentare, Wünsche und Nachrichten zu posten, gemeinsam zu trauern und sich auszutauschen. Natürlich kann der Account auch gelöscht werden“, sagt eine Facebook-Sprecherin. Wird ein Profil in den Gedenkzustand versetzt, erscheint es nicht öffentlich und im Profil der Person wird neben dem Namen „In Erinnerung“ angezeigt.

Die Erben, die neben besonderen Auskunftsrechten auch Sonderkündigungsrechte besitzen, müssen dann entscheiden, was mit dem digitalen Nachlass passiert. Diekmann: „Wir empfehlen, schon zu Lebzeiten alles zu regeln. Zum Beispiel, wer die Passwörter bekommt und was mit den Profilen später geschehen soll.“ Vorsicht vor schwarzen Schafen: Gerade bei kostenpflichtigen Angeboten wie etwa Online-Partnerbörsen wird die Löschung gerne mal etwas in die Länge gezogen.

Ein Gesetz gibt es noch nicht

Denn noch gibt es kein Gesetz, das den Umgang mit dem digitalen Nachlass regelt. „Noch war der Leidensdruck auf den Gesetzgeber nicht groß genug, diese Angelegenheit sauber und einheitlich zu regeln“, sagt Anton Steiner, Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht. Er geht aber davon aus, dass in den nächsten Jahren auf europäischer Ebene eine entsprechende Lösung verabschiedet werde.

Also müssen die Fans von Jonathan Heimes wohl die Entscheidung der Familie abwarten. Oder wie es Facebook-Freund Axel Dohmann formuliert: „Johnny lebt doch weiter in uns allen! Was soll da verloren gehen?“

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Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

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