Selbst die Toten Hosen rockten dort

Aus nach 36 Jahren: Dieburger „Club Biergarten“ macht dicht

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Eine Ära geht zu Ende: Nach 36 Jahren schließt der „Club Biergarten“ seine Pforten.

Dieburg – Zum Schluss wurden die Probleme für den „Club Biergarten“ zu viel. Gewohnheiten hatten sich geändert und der Standort wurde zum Nachteil. Es bleiben noch ein paar Abende. Von Jens Dörr

Das Rhein-Main-Gebiet verliert eine musikalische Institution, für die man auch den Begriff „Kult“ guten Gewissens verwenden darf: Der Dieburger „Club Biergarten“ schließt am übernächsten Wochenende für immer seine Pforten. Der älteste Dark-Wave-Club in der Region, der vor 36 Jahren aus dem Startblock ging, läuft mit letzten Feten über die Ziellinie.

Die Gründe für das Aus sind vielfältig. „Irgendwann geht es einfach nicht mehr“, sagen in Bernd Fischer und Monika Ahrens-Fischer die beiden Inhaber, die zugleich Betreiber der ersten Stunde sind. 1980 erwarb Fischer das Grundstück mit ehemaliger KFZ-Werkstatt im Dieburger Osten, wo sich auch der Campus Dieburg (einst zur Telekom, heute zur Hochschule Darmstadt gehörend) befindet. Er begann zunächst mit einem Biergarten im Außenbereich und dort auch mit einer Bühne, was man dreieinhalb Jahrzehnte bewahren sollte und was sich bis heute im Namen der Location niederschlug. 

Nach der ersten Outdoor-Saison kam in der Es-Werkstatt eine Diskothek mit Bühne für weitere Konzerte hinzu. Bei denen schenkte auch Ahrens-Fischer Getränke aus, die in den 80ern im „BiGa“ jobbte und 1986 mit Bernd Fischer ein Paar wurde. 30 Jahre lang machten beide seither Seit’ an Seit’ den Club zu einem Klassiker. Für den es nun nicht mehr weiter geht. Denn mehrere Entwicklungen, die teils andere Clubs ebenso betreffen, teils aber auch spezifisch für den Dieburger Treffpunkt sind, erschwerten es, das alternative Angebot aufrecht zu erhalten. 

Fotos: Erinnerungen aus 36 Jahren „Club Biergarten“

Fans der Rock-, New-Wave-, aber auch Techno- und Jazzszene zog der „BiGa“ über die Jahre hinweg an, ließ auch Theater, Pantomime und Kabarett zu, lockte Musikgrößen zu Live-Auftritten ins Innere und in den Außenbereich. Rockgrößen wie Wolf Maahn, die Rodgau Monotones, Trio, Rio Reiser, Inga Rumpf, Boppin B und sogar Pur sowie die Toten Hosen spielten im Club. Der Schritt zur Schließung falle „sehr schwer“, sagen beide. „Nachdem die Studentenwohnheime ums Jahr 2000 herum aufgelöst wurden, begann es bereits, schwerer zu werden. Und es gäbe eine andere Entwicklung als Grund für nachlassende Gästezahlen: „Die Leute treffen sich heute am Rechner“, sagt Ahrens-Fischer. Online gebe es Spiele, „die musst du jeden Tag spielen, sonst kriegst du Punkte abgezogen“. 

Auch gebe es rund um das „BiGa“-Areal, das die Fischers mit den Immobilien und dem Parkplatz dem Eigentümer teils abgekauft, teils aber nur angemietet haben, weitere Herausforderungen: Die einstige Umwidmung von einem Gewerbe- in ein Mischgebiet und die Bebauung eines Teils des Campusgeländes mit Wohnungen (und damit teils lärmempfindlichen Nachbarn) trugen ihr Scherflein zum Entschluss des Paares bei. Für das Grundstück des Eigentümers hat sich mittlerweile ein Käufer gefunden. 

Drei Tage Party zum Abschied

Ehe 36 Jahre „Club Biergarten“ endgültig vorbei sind, lassen es DJs und Stammgäste an drei Tagen krachen: Am Donnerstag (18. Februar, ab 21 Uhr) wird es noch einmal einen „schwarzen“ Abend mit DJ Nero Noire, DJ Tandrin & Guests geben. Am Freitag wird es auf einer der beiden Tanzflächen erneut eine „Schwarze BiGa Revival Party“ mit Gothic, Dark Wave, EBM, Electro, Industrial, Synthiepop und Classics geben, auf dem zweiten Floor zudem ein „Urban Chaos Special“ mit DJ Doom & Sven, die Metal und Crossover auflegen. Am Samstag, dem letzten Tag der Clubgeschichte, spielten auf Floor eins DJ Nero Noire & Kevin Songs der Genres Rock, Pop, Wave und Alternative; auf Floor zwei schließen DJ Doom & Marlon die Ära mit Electro, Industrial, Grunge, Crossover und Goth-Rock ab. Bernd Fischer und Monika Ahrens-Fischer möchten sich bei allen Gästen bedanken. „Manche sind zu Freunden geworden“, sagen sie.

Wer noch Fotos rund um den Kult-Club hat, schickt sie an redaktion@extratipp.com. Wir würden uns riesig freuen!

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