Nach Horror-Urlaub: Schwuler reist nur noch mit Gleichgesinnten

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Fausto Israel trägt seinen grünen Lieblingsschal. Gerade füllt er einen Gaymondo-Antrag aus.

Frankfurt – „Ich bin nicht nur schwul, sondern auch Ausländer“, sagt Fausto Israel. „Dann noch schwarzer Ausländer“, fügt er hinzu. Der 29-jährige Brasilianer, der Tanz-Workshops gibt, hat doppelt zu kämpfen: Gegen Vorurteile wegen seiner sexuellen Orientierung als auch seiner Herkunft. In einem Tunesienurlaub eskaliert ein Konflikt mit dem Hotelmanager, so dass der Frankfurter die Polizei ruft. Damit das nicht wieder passiert, reist Israel nun mit „Gaymondo“ – einer Reiseagentur für Schwule. Von Jennifer Dreher

Ich bin kein politischer Aktivist“, sagt Fausto. „Ich will nur ganz normal behandelt werden wie jeder andere Mensch“, fügt er hinzu. Der Tanzlehrer trägt einen grünen Seidenschal. Seine Augenbrauen sind gezupft. Der zart violette Pullover steht im Kontrast zu dem glänzenden silbernen Nietengürtel. Fausto ist ein gepflegter Mann. „Ich kann es kaum verstecken, dass ich schwul bin“, sagt er von sich selbst.

Im Tunesienurlaub wird ihm genau das zum Verhängnis. Streitpunkt ist das Essen. „Die Speisen waren furchtbar“, erinnert sich Fausto. Als ihm dann ein Salat mit Pilzen aufgetischt wird – auf die ist der Brasilianer allergisch – und es keine Alternative gibt, beschwert er sich an der Rezeption. „Ich bin dort beleidigt worden“, berichtet der 29-Jährige. „Die sind frech und unverschämt gewesen.“ Das Gespräch entwickelt sich schnell zum Streit. Der eskaliert, sodass der verängstigte Fausto die Polizei ruft. „Ich habe mich allein und hilflos gefühlt.“ Dieses Trauma hat ihn geprägt.

Der Globetrotter fühlt sich auf der ganzen Welt zu Hause. Südamerika, Asien, Afrika: Fausto ist fast überall gewesen. Er weiß sich anzupassen. „In arabischen Ländern ist es klar, dass ich dort nicht Händchen haltend mit einem Kerl durch die Stadt laufe“, sagt der Tanzlehrer. In jedem Land gäbe es intolerante Menschen. Rückblickend bezeichnet er seinen Tunesienurlaub als „Katastrophe“. Damit das nicht wieder passiert, hat er bei seinem jüngsten Urlaub auf den Rat eines Freundes gehört und ist mit „Gaymondo“ gereist.

Reisen speziell auf Homosexuelle zugeschnitten

Der Reiseveranstalter verspricht „paradiesische Ferien für Gays & Friends“, ist eine Agentur, die ihr Angebot speziell auf Homosexuelle ausgerichtet hat. Die Reiseleiter vor Ort wissen, wo Bars, Clubs und Strände für Schwule sind. Im Angebot sind Hotels ausschließlich für Homosexuelle. „Ein schwules Hotel hat keine Diskokugel und Tanzfläche an der Rezeption und auch kein Plüschzeug oder pinke Sachen“, stellt Fausto klar. Ihm sowie anderen Schwulen geht es auch nicht darum, nur wilde Parties zu feiern oder Sex zu haben.

Da war aber schon der ein oder andere Flirt in meinem Südafrikaurlaub mit Gaymondo“, gibt der Single zu und grinst. Aber in erster Linie gehe es ihm darum, sich in seinem Urlaub sicher und wohl zu fühlen. Mit Gaymondo hat er gute Erfahrungen gemacht. „Das Hotel war sehr modern“, sagt Fausto. „Unsere Tuntengruppe war total lustig.“ Reiseleiter Erik habe es schwer gehabt, die lebendige Truppe unter Kontrolle zu bringen. „Der eine will shoppen, der andere flirten und wieder ein anderer will einen Kaffee trinken“, berichtet Fausto.

Infos zur Reiseagentur und ihren Stellenangeboten unter http://www.gaymondo.de und bei Facebook unter „Gay Mondo“.

Er kann kaum einen Unterschied zwischen einer „normalen“ Gruppenreise und einer für Schwule feststellen. Trotzdem ist die Freizeitgestaltung der „Tuntengruppe“ anders gewesen, als die, beispielsweise, eines Kegelclubs. „Shoppen war ganz groß geschrieben“, sagt Fausto. „Außerdem haben wir die Villen der Stars, die in Kapstadt leben, zum Beispiel der Schauspielerin Charlize Theron, besichtigt.“ Auch eine Jeep-Safari und eine Weinprobe haben auf dem Plan gestanden.

Gaymondo hat zwar eine Geschäftsstelle in Bonn. Reisen buchen können Schwule aber nur im Internet oder bei mobilen Reiseberatern. Solche werden für Frankfurt gesucht. Dieser Job ist auch für Fausto interessant. „Das ist super“, sagt er. „Ich kenne so viele Leute, und die meisten Schwulen reisen sehr viel und gerne.“ Seinen nächsten Urlaub will der Tanzlehrer in Andalusien verbringen – wieder mit Gaymondo.

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