Aufruf gegen Gewalt

Erstochener 21-Jähriger: So trauern seine Freunde

Freunde und Bekannte haben Blumen und Fotos am Tatort in Frankfurt niedergelegt. Foto: nh

Frankfurt - Wegen eines Spruchs, ein wenig Gepöbel oder doch nur, weil er schlichten wollte, ist ein 21-Jähriger tot. Mit einem Messer auf offener Straße abgestochen. Freunde des Opfers rufen gegen Gewalt auf. Von Angelika Pöppel

„Er hat noch gar nicht angefangen zu leben. Er wird niemals heiraten, Kinder kriegen, die schönsten Dinge erleben. Er ist tot und kommt nicht wieder“, diese Gedanken geistern Britney aus Kriftel in den letzten Tagen im Kopf herum. Mohammed, von Freunden Hamudi genannt, musste bereits mit 21 Jahren sterben. Warum, ist noch unklar. Fest steht, dass er auf offener Straße am vergangenen Samstag in Frankfurt abgestochen wurde. Das Messer traf den gebürtigen Libanesen aus Kriftel direkt ins Herz. Er verstarb in derselben Nacht im Krankenhaus. Britney aus Kriftel ist mit Mohammed aufgewachsen, sie besuchten die gleiche Schule, hatten die gleichen Freunde. „Ich erfuhr es von meinem Bruder“, erzählt Britney, die mittlerweile in Berlin lebt. „Er war ein ganz lieber, ich glaube nicht, dass er Stress angefangen hat. Das passt nicht zu ihm“, sagt die 23-Jährige. Die Staatsanwaltschaft gab am Dienstag bekannt, dass das Opfer lediglich einen Streit schlichten wollte. Am Samstagabend war er mit zwei Freunden in Frankfurt unterwegs, als er auf eine weitere jugendliche Gruppe traf. Sie gerieten in Streit, einer zückte plötzlich ein Butterfly-Messer und stach zu. Gegen den 18-jährigen mutmaßlichen Täter wurde Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.

Zum Nachdenken anregen

„Ich war schockiert und habe mich hilflos gefühlt“, berichtet Britney. Mohammed hatte gerade eine Ausbildung angefangen. „Letzte Woche hatte er noch erzählt, wie stolz er auf seine neue Stelle ist.“ Der sinnlose Tod des jungen Kriftlers hat Britney dazu bewegt, die Facebook-Seite „Schau nicht weg“ zu gründen. Innerhalb weniger Tage folgten über 1700 Anhänger der Seite. Alle trauern. Platz für Hass oder Rachegefühle bietet die Plattform nicht. „Ich will nur zum Nachdenken anregen. Und zeigen, dass es nicht cool ist, mit einem Butterfly-Messer herum zu laufen.“

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Doch die 23-Jährige weiß, wie schwer es ist, Jugendliche zu erreichen. „Deshalb habe ich einen Aufruf gestartet, der sich an Künstler richtet. Musiker sind immerhin die größten Vorbilder von jungen Menschen“, sagt Britney. Sie sollen ein kurzes Statement gegen Gewalt abgeben und mit dem Handy aufnehmen. Die 23-Jährige will daraus ein Video zusammen schneiden, das „vielleicht wenigstens einen davon abhält, einfach ein Messer zu zücken.“

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