Mysteriöser Künstler in Rhein-Main

9000 Sticker verklebt: Wer ist Käpt’n Kalle?

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Nur von hinten lässt sich Käpt’n Kalle ablichten. Seine Aufkleber soll dagegen die ganze Welt sehen.
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Region Rhein-Main - Käpt’n Kalle erobert Rhein-Main, doch niemand weiß, wer dahinter steckt. Er verewigt sich mit Stickern und Plakaten an Brückenpfeilern, in U-Bahn-Höfen und an Stromkästen. Alles illegal, doch das kann den Käpt’n nicht stoppen Von Christian Reinartz .

Ein riesiges „Paste up“ unter einer Autobahnbrücke.

 „Mein Herr, der die See zum Schweigen bringt. Volle Kraft voraus“ steht in Englisch auf den Aufklebern, die mittlerweile an zahlreichen Stellen in Frankfurt kleben. Immer im öffentlichen Raum, immer an Stellen, wo sie viele Passanten sehen. Darauf außerdem: Der stilisierte Kopf eines Seemanns mit Mütze, Bart und Pfeife. Dem EXTRA TIPP hat Käpt’n Kalle jetzt verraten, warum er das macht. „Das ist mein ganz persönliches Streetart-Projekt“, sagt Kalle.

Mittlerweile kleben 9000 Sticker

Der Aufkleber in der Frankfurter Niddastraße.

Sein erstes Plakat habe er vor zwei Jahren aufgekleistert. Mittlerweile sind deutschlandweit 9000 seiner Sticker verklebt, mehrere tausend sollen folgen. Dazu zieren über 100 Seemansköpfe etwa Brückenpfeiler oder Schallschutzwände. Die sogenannten „Paste ups“ sind riesige Papierbilder, die mit Tapetenkleister auftapeziert werden und etwa ein Jahr lang halten, bevor sie vom Regen abgewaschen werden. „Die Streetart steht unter anderem für die Vergänglichkeit“, erklärt Kalle. Deshalb bringe er auch häufiger kleine Spiegelkacheln mitsamt Aufkleber an, wie etwa am Frankfurter Hauptbahnhof. „Der Passant kann sich darin selbst sehen und wird so an seine Endlichkeit erinnert.“

Diese Form der Kunst ist strafbar

Einer der Kalle-Spiegel im Bahnhofsviertel.

Sein großes Ziel: „Ich will mit diesem Projekt Aufmerksamkeit erregen“, gibt der Käpt’n zu. Auch wenn er immer anonym bleiben muss, denn diese Form der Kunst ist strafbar. Ordnungsämter und die Polizei verfolgen Streetart akribisch. Doch das hält Käpt’n Kalle nicht ab. „Ich tu ja keinem damit weh. Außerdem ist der Nervenkitzel auch Teil des Projekts.“

Christian Reinartz

Christian Reinartz

E-Mail:christian.reinartz@extratipp.com

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