Multikulti zwischen Kürbis, Mais und Rosenkohl

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Buddeln am Beet: Andreas Dienst schaufelt, Zalmai Nawabi fährt die Erde weg. Fotos (3): jule

Oberursel – Integration zwischen Blumen und Gemüse: Im Interkulturellen Garten in Weißkirchen gärtnern Brasilianer, Kolumbianer, Russen, Pakistaner und Deutsche gemeinsam – und lernen so etwas über die Kultur der jeweils anderen. Von Julia Renner

19 Mitglieder hat der Verein und die kommen aus aller Welt. Das macht sich auch auf den Beeten bemerkbar. Neben Kürbissen aus Pakistan und Mais aus Brasilien wächst deutscher Rosenkohl.

Freitags und samstags treffen sich die Hobbygärtner meistens. „Dass gläubige Muslime aber jeden Freitag in die Moschee gehen, mussten wir auch erst lernen“, sagt Franz Schneider. „Dann haben wir erstmal alle darüber gesprochen, was in einer Moschee alles passiert.“ Und genau das sei auch der Sinn der multikulturellen Gärtnerarbeiten. Schneider hat den besonderen Gartenverein vor vier Jahren mit gegründet. Seitdem sind aus den vormals Fremden Freunde geworden.

Antennen für andere Kulturen bekommen

Die Brasilianerin Enaide Hilse ist seit vier Jahren dabei.

Die Kultur als Ganzes, sagt Schneider, bekomme man durch das Gärtnern allein aber nicht mit. Oft drehe es sich bei den Gesprächen um Kleinigkeiten. Zum Beispiel darum, wie man eigentlich russische, pakistanische oder auch brasilianische Namen richtig ausspricht. „Es ist wichtig, dass man Antennen für die Kulturen der anderen bekommt und sich überhaupt dafür interessiert“, sagt Franz Schneider. Wenn im Herbst geerntet wird, bereiten die Mitglieder Gemüse und Salate nach ihrer eigenen Tradition zu und essen gemeinsam.

Seit der Interkulturelle Garten ins Leben gerufen wurde, ist auch Enaide Hilse dabei. Die gebürtige Brasilianerin wollte immer einen Garten haben – ihr Mann allerdings nicht. Deshalb hat sie sich dem Integrationsprojekt angeschlossen. Dass man beim Gärtnern mit Menschen aus anderen Ländern zusammen ist, findet sie gut. Denn obwohl sie selbst ihre Wurzeln außerhalb Deutschlands hat, kannte sie kaum andere ausländische Mitbürger in Weißkirchen. Auch Zalmai Nawabi freut sich über die multikulturelle Gesellschaft im Grünen – und über die vielen Sorten Obst und Gemüse, sagt der Afghane.

Franz Schneider wünscht sich jetzt, dass noch mehr Hobbygärtner auf dem 1000 Quadratmeter großen Grundstück eine Parzelle bearbeiten und sich austauschen möchten.

Wer mitmachen möchte im Interkulturellen Garten, kommt einfach freitags ab 17 Uhr oder samstags ab 14 Uhr zum Garten neben dem Friedhof Weißkirchen.

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