Können Kinder noch unbesorgt spielen?

Angst vor Strahlung: Sendemast mitten im Mühlheimer Wohngebiet

+
Wissen nicht, ob sie die Kinder unbesorgt spielen lassen können oder, ob sie von dem nur 300 Meter entfernten Funkmast bestrahlt werden: Pfarrer Ralf Grombacher, Kita-Leiterin Ingrid Schimanowski, Erzieherin Andrea Ogertschnig und zweite Leiterin Fabienne Grothe zeigen in Richtung Sendemast.
  • schließen

Mühlheim –Seit Mitte März steht mitten in Mühlheims Wohngebiet ein rund zehn Meter hoher Funkmast. Nun haben Anwohner Angst vor Krebs durch die potenzielle Strahlung. Und die Kita Arche Noah liegt im betroffenen Radius. Von Janine Drusche

Das Ungewisse ist das Schlimmste an der ganzen Sache. Es schürt die Angst der Leute“, sagt die Leiterin der Mühlheimer Kindertagesstätte Arche Noah, Ingrid Schimanowski. Sie selbst hat erst vergangene Woche von dem eventuell gefährlichen und knapp zehn Meter hohen Funkmast erfahren, der nur 300 Meter Luftlinie entfernt von der Kita auf das Hausdach eines Wohnhauses in der Bahnhofstraße installiert ist.

Lesen Sie außerdem:

Kampf gegen Handy-Strahlen: Frankfurterin will im Taunus eine funkfreie Zone schaffen

Die Anwohner sind wütend, haben Angst vor der Strahlung. Ralf Zimmermann wohnt direkt neben dem Haus auf dem Vodafone den Mast aufgestellt hat: „Es ist ein Unding, dass mein Nachbar das baugenehmigungsfrei machen kann.“ Er fühle sich allein gelassen. Bürgermeister Daniel Tybussek seien ebenfalls die Hände gebunden, weil Installationen unter zehn Metern erlaubt sind. „Wir können nicht eingreifen, da das Land Hessen den Aufbau genehmigt“, sagt der Rathauschef. Hans Pollrich macht sich Sorgen um Schwangere und Kinder: „Es herrscht Goldgräberstimmung, es geht nur ums Geld. Aber wir müssen Angst um unsere Gesundheit haben. Wir kriegen eine ordentliche Portion Strahlung ab und wissen nicht, was uns blüht. Es gibt ja noch keine Langzeitstudien. Aber ich denke, der Mast ist für uns alle extrem gefährlich.“

Die Langzeitfolgen sind ungewiss

Der Mühlheimer hat eine Unterschriften-Aktion gegen den Sendemast ins Leben gerufen und den Info-Zettel auch in der Kita Arche Noah abgegeben. Jetzt ist das Thema auch da präsent. Die Leiterinnen Schimanowski und Fabienne Grothe fürchten die Folgen. „Das Problem ist, man weiß nicht, was dahinter steckt. Das ist, wie wenn Gelehrte streiten und der Laie soll nun entscheiden, was richtig ist“, sagt Schimanowski. Sie habe zwar keine Angst, die Situation sei aber vergleichbar mit der der Atomkraftwerke früher: „Da wurden sich keine Gedanken gemacht und jetzt haben wir das Dilemma.“ Pfarrer Ralf Grombacher von der Evangelische Friedenskirche unter der die Kita läuft sagt: „Solange nicht 100-prozentig ausgeschlossen werden kann, dass die Strahlung Langzeitfolgen hinterlässt, sollte man vorsichtig damit sein.“ Er selbst hat das Angebot ausgeschlagen, einen Sendemast auf das Kirchendach stellen zu lassen: „Das Geld hätten wir gebrauchen können, was man daran verdient. Aber es ist wichtiger, Menschen als Großkonzerne zu schützen“, sagt der Pfarrer. „Wenn man noch sieht, dass hier so viele Kinder gefährdet sind, fällt erstmal auf, wie absurd das ist“, stimmt ihm Grothe zu.

Noch ist der Mast nicht in Betrieb

Sie fühle sich da auch ein Stück weit verantwortlich für die Kinder. Auch Erzieherin Andrea Ogertschnig hat ein „ungutes Gefühl.“ Außerdem wohnt sie zwei Häuser entfernt vom Funkmast: „Der Mast mindert die Grundstückspreise um bis zu 70 Prozent“, sagt sie und ist mit den Kollegen einig: „Fortschritt ja, aber so ein Funkmast muss nicht mitten in der Wohngegend stehen.“ Vodafone-Sprecher Paul Gerlach erklärt, dass der Mast bisher nicht in Betrieb sei, das werde aber nun angegangen. Laut deutscher Strahlenschutzkommission bestünde aber keine Gesundheitsgefährdung, versichert er. Die Bürger bleiben skeptisch: „Ich würde da Vodafone nicht vertrauen, die Folgen sind ungewiss“, sagt Schimanowski.

Keine Neuigkeiten und Gewinnspiele mehr verpassen? Dann einfach EXTRA TIPP-Fan auf Facebook werden!  

Mehr zum Thema

Janine Drusche

Janine Drusche

E-Mail:janine.drusche@extratipp.com

Kommentare